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Herzblatt-Geschichten : Im Haus des Scheiterns

Geldregen: Der Friedensnobelpreis bringt jedem EU-Bürger 0,0018 Euro! Wahnsinn! Bild: dpa

Große Freude in Europa: Der Friedensnobelpreis macht uns alle reich! Zumindest fast. Die Prominenz interessiert das herzlich wenig. Daneben: Ballack hat einen neuen Freund, Sascha Hehn eine tolle Rolle und Westerwelle versucht’s mal mit Französisch.

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          Ist es Ihnen auch aufgefallen, als Sie heute Morgen zum Bäcker gestapft sind, diese gelöste Stimmung, der Glanz in den Augen der Menschen? Hören auch Sie allerorts die Ode an die Freude durch die Lüfte schwirren? Auch wir pfeifen das Lied fröhlich vor uns hin, schließlich ist es der erste Friedensnobelpreis, den wir bekommen. Wir haben für die Verleihung schon mal ein Ticket nach Oslo gelöst, doch wir fürchten, die Idee haben noch andere. Auch wer das Preisgeld kriegt, ist laut Bild noch nicht klar, würde es jedoch aufgeteilt, blieben 0,0018 Euro pro EU-Bürger-Kopf; da wäre es lukrativer gewesen, hätten sich alle Europäer zu einer Tippgemeinschaft beim Lotto zusammengeschlossen. Stolz sind wir dennoch und blicken optimistisch in die Zukunft: Präsident Obama, einer unserer Vorgänger, ist nach seinem Nobelpreis ja auch so richtig durchgestartet.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Angesichts dieser historischen Größe will uns das, was wir in den Herzblättern lesen, noch profaner erscheinen. Ist es, Frau im Spiegel, tatsächlich die „Hochzeit des Jahres“, wenn Erzherzog Guillaume von Luxemburg die Gräfin Stéphanie de Lannoy ehelicht? Ist dieses Jahr echt so wenig losgewesen?

          Der Neue von Frau Ballack

          Ein bisschen anstrengend ist es auch, dass wir uns mit immer neuen Kategorien von Prominenz herumschlagen müssen. Zuerst gab es den Fußballer, dann die Fußballergattin, später die Fußballerexgattin. Nun schafft es gar der Fußballerexgattinnenfreund aufs Cover von Bunte: Maik Eichhorn, 32, Maße 103 – 82 – 98, ist der Neue von Simone Ballack, 34. Sollte aus Herrn Eichhorn eines Tages ein Fußballerexgattinnenexfreund geworden sein, die Bunte-Autorin Tanja May stünde gewiss bereit: Sie preist „ein unglaublich attraktives Mannsbild“ mit einem „durchtrainierten Körper“ und einem „markanten Gesicht“, das aussehe „wie ein griechischer Gott“: Das darf man wohl als Bewerbungsschreiben deuten. Getrennt von Michael Ballack hat sich Simone August 2011, und dass Bunte jetzt titelt, Ballack sei „ausgewechselt“ worden, zeigt, dass das Blatt vom Fußball keine Ahnung hat: Wie soll man jemanden auswechseln, der seit über einem Jahr nicht zum Einsatz gekommen ist?

          „Ja, es ist Liebe!“: Udo Lindenberg und seine Freundin Tine Acke Bilderstrecke
          „Ja, es ist Liebe!“: Udo Lindenberg und seine Freundin Tine Acke :

          Frisch eingewechselt wird Sascha Hehn: Der Schauspieler wird neuer Kapitän auf dem „Traumschiff“, wo er schon zweimal angeheuert hatte – sechs Jahre als Chefsteward Victor, vier Jahre als erster Offizier Stefan. „Hehn spielte in einer Folge eine Doppelrolle. Er war nicht nur Victor, sondern auch sein Zwillingsbruder Stefan, der als 1. Offizier zur Besatzung stieß. In der nächsten Folge war Victor nicht mehr an Bord“, erinnert sich Bild, und wir ahnen, wie Hehn nun als Kapitän eingeführt wird: als verschollen geglaubter Drillingsbruder von Victor und Stefan; wenn er eines Tages statt des Käpt’n lieber den Reeder spielen möchte, waren es halt Vierlinge.

          Mit einer Rückkehr zu den Wurzeln liebäugelt auch die erschlankte Christine Neubauer, vom Goldenen Blatt befragt, ob sie nochmals zum „Vollweib“ werden könnte: „,In einer großen Hollywood-Produktion ja‘, gesteht sie. Denn dort habe man ja viel mehr Zeit, die Kilos zu- und auch wieder abzunehmen.“ Da freuen wir uns schon auf Neubauer in Blockbustern wie „The Full Wife“ und „Mopple-Me“.

          Zusammenkrachende Metaphern

          Die neue „Supertalent“-Jury indes bilden nicht, wie man beim Blick in Bunte meinen könnte, Thomas Gottschalk, Regine Sixt und Guido Westerwelle: Sixt und Gottschalk haben Westerwelle nur zu einem Empfang der deutschen Botschaft in Paris begleitet, bei dem die Botschafterin, wie Bunte mokiert, „ein bisschen zu ernst“ schaute. Als „Botschafter der guten Laune“ sei er dabei gewesen, so Gottschalk, doch gab es offenbar einen zweiten Grund, wie ein Foto samt Bildunterschrift suggeriert: „Im Flugzeug feilen Regine Sixt und Thomas Gottschalk ein bisschen am Französisch von Guido Westerwelle. Er muss eine Rede halten, gespickt mit Originalzitaten.“ Ja, beherrscht der Mann überhaupt irgendeine Sprache? Und welche Zitate mag Spaßkanone Gottschalk zugeliefert haben – „Non, je ne regrette rien“? „L’état, c’est moi“?

          Ungewohnt grüblerisch begegnet uns Fernsehsternchen Daniela Katzenberger, 26: „In meinem Alter hatte meine Mutter schon drei Kinder und war zweimal verheiratet“, vertraut sie In an. Klar, dass Daniela da das Gefühl hat, selbst noch nichts im Leben erreicht zu haben. Trost spendet die Weisheit, die laut Intouch Detlef D! Soost auf Facebook verbreitet: „Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er am Morgen aufsteht und am Abend zu Bett geht und dazwischen tut, was er tun will.“ Genial. Noch eine Kostprobe? „Ausreden sind Nägel, mit denen man ein Haus des Scheiterns baut.“ Sagen wir’s mal so, Soost: Wenn Sie Ihr Haus nur so zusammennageln, dann kracht es halt zusammen – wie Ihre Metaphern.

          Unser Respekt aber gilt Tine Acke, die Fotografin, Udo Lindenbergs Freundin und gar nicht eifersüchtig ist: „Ganz im Gegenteil, wenn irgendwelche heißen Frauen bei ihm stehen, sehe ich das eher als Fotomotiv“, erzählt sie Bild. Frage: Sieht sie das auch noch so, wenn die Damen sich setzen – oder womöglich gar hinlegen?

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