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Scheich-Werbung : Fürst aus Dubai sucht 60 Italienerinnen zum Shoppen

Fast 100 junge Italienerinnen kamen zum ersten Casting nach Padua. Bild: Mauro Belcaro / www.docstile.it / www.rosygarbo.it

Ein Scheich aus Dubai kommt nach Europa. Er sucht 60 Frauen. Sie sollen ihm beim Shoppen helfen. Doch der Scheich hat Ansprüche: Es sollen nicht irgendwelche Frauen sein.

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          Ein Scheich aus Dubai kommt nach Europa - und sucht 60 Frauen. Sie sollen ihm beim Shoppen helfen. Nicht irgendwelche Frauen sollen es sein, er möchte nur Italienerinnen, denn die haben nach seiner Überzeugung von allen Europäerinnen den besten Mode-Geschmack.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Mit dem Casting der Mädchen hat der Scheich eine Agentur in Padua beauftragt. Das Angebot klingt verlockend: 100 Euro pro Tag, lange Shoppingtouren in Luxusgeschäften, Teilnahme an Gala-Diners und kostenlose Reisen im Privatjet. Allein zum ersten Vorstellungstermin kamen fast 100 junge Frauen.

          Zwischen 18 und 28, mit Gespür für Mode

          Die Anforderungen sind klar: Man sucht junge Damen zwischen 18 und 28 Jahren, mit Gespür für Mode und guten Englischkenntnissen. Der Scheich plant eine Europa-Tour in Begleitung seiner Familie, also seiner Frauen und Kinder. Insgesamt reisen 50 Personen aus Dubai an. Die Reise, die einen Monat dauert, führt nach Paris, Ibiza, Madrid, London, Stockholm, Mailand und Venedig. Hier kommen die Italienerinnen ins Spiel. Sie sollen den Scheich und seine Frauen beim Einkauf beraten - als Personal Shopper mit europäischem Geschmack.

          An jedem Freitag im April findet nun ein Casting in der Agentur D.O.C in Padua statt. Die Mädchen, die sich bewerben, haben lange Beine, dünne Taillen und glänzendes Haar. „Schönheit spielt aber nur eine untergeordnete Rolle“, sagt Mauro Belcaro, der Inhaber der Agentur. Zeitungen im Veneto hatten spekuliert, dass es sich bei der Anfrage des Scheichs um den Versuch handele, den Harem um ein paar hübsche Italienerinnen zu erweitern. „Das ist natürlich nicht so“, sagt Belcaro entschieden. „Ich kann den ganzen Rummel gar nicht nachvollziehen.“

          100 Euro pro Tag und unendlich langes Shoppen in Luxusboutiquen, das  lockt viele junge Damen zum Vorstellungsgespräch.
          100 Euro pro Tag und unendlich langes Shoppen in Luxusboutiquen, das lockt viele junge Damen zum Vorstellungsgespräch. : Bild: Mauro Belcaro / www.docstile.it / www.rosygarbo.it

          In Amerika sei es ganz normal, dass sich reiche Reisende eine persönliche Begleitung zum Einkaufen buchten. „Nur hier in Europa ist dieser Beruf noch sehr neu. Deshalb bringen die Medien das so groß“, sagt Belcaro. Ihm ist es ein bisschen unangenehm. Der Scheich ist sein erster Klient aus den Emiraten, seinen Namen soll Belcaro für sich behalten. Und er tut es auch, um den lukrativen Kunden nicht zu verschrecken.

          Mauro Belcaro ist schon ein paar Jahre im Geschäft. Er ist künstlerischer Leiter des Labels „Rosy Garbo“, gegründet von seiner Mutter und spezialisiert auf Abendkleider. Seine Agentur hat internationale Dependancen in New York, Miami und Moskau. Die italienische Niederlassung hat in den vergangenen Jahren die Miss-Wahlen in Rom betreut. Entsprechend routiniert läuft das Casting der Scheich-Hostessen ab. Neben Belcaro selbst sitzen ein Image-Berater, ein Schuhberater, ein Schuhdesigner, ein Personal Shopper und ein Anwalt in der Auswahljury.

          Neben Agentur-Inhaber Mauro Belcaro (links) sind Stylisten, Designer und Image-Berater im Auswahlteam.
          Neben Agentur-Inhaber Mauro Belcaro (links) sind Stylisten, Designer und Image-Berater im Auswahlteam. : Bild: Mauro Belcaro / www.docstile.it / www.rosygarbo.it

          Der Ablauf ist immer gleich: Die Frauen stellen sich kurz vor. Es folgen ein paar Fragen zur italienischen Geschichte. Auch ihr Wissen über die arabische Kultur wird abgefragt. Viele der Mädchen haben studiert, meint Belcaro - zumeist an einer der vielen italienischen Hochschulen für Modedesign oder Kommunikationswissenschaften.

          Doch das allein genügt nicht. Die Begleiterinnen müssen sich auch in den europäischen Metropolen auskennen. Man muss also wissen, wo die Luxusgeschäfte in Paris liegen, welches Restaurant man auf Ibiza am besten besucht und was man eigentlich zu einem Black-Tie-Event anzieht. Eine Kandidatin soll beim Casting auf die Frage, was ihr zu dem Begriff „Baguette“ einfällt, mit dem schlichten Wort „Brot“ geantwortet haben. Das Casting-Team wollte aber auf die Handtaschen gleichen Namens von Fendi hinaus.

          Aus 80 Kandidatinnen wählte das Casting-Team in der ersten Runde gerade einmal zehn junge Damen aus. 50 weitere sollen noch dazu kommen. Doch die Agentur trifft nur die Vorauswahl. Das letzte Wort hat Dubai. Dort sieht man die Unterlagen und Fotos ein. Unklar, ob Schönheit dann wirklich nur eine untergeordnete Rolle spielt.

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