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Mount Everest : Gefährlicher Stau am Gipfelgrat

In der Schlange auf über 8.000 Metern: Der Gipfelanstieg am Mount Everest Bild: AFP

Weil das Wetter derzeit am Mount Everest gut ist, versuchen Dutzende Bergsteiger gleichzeitig den Gipfelanstieg. Es kommt zu Wartezeiten. In einer Höhe jenseits von 8000 Metern können solche Verzögerungen lebensgefährlich sein.

          Ein Zauberwort im modernen Extrembergsteigen heißt: Wetterfenster. Es beschreibt die oft kurze Spanne, in der gute Wetterbedingungen die Besteigung der höchsten Berge der Welt erleichtern oder sie gar erst ermöglichen. Ein solches Wetterfenster gab es am Mittwoch am Mount Everest (8848 Meter) – und nach Angaben des nepalesischen Offiziellen im Basislager nutzten es mehr als 200 Bergsteiger, um sich vom letzten Lager auf knapp 8000 Metern aus zum höchsten Gipfel der Welt aufzumachen. Genaue Zahlen, wie viele von ihnen es geschafft haben, werden erst nach ihrem Abstieg ins Basislager vorliegen.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Viele Kletterer hätten jedoch über lange Schlangen an den Schlüsselstellen der Gipfeletappe geklagt, hieß es, zu Wartezeiten von zwei Stunden sei es dabei gekommen. In dieser Höhe, jenseits von 8000 Metern, können solche Verzögerungen lebensgefährlich sein – vor allem, wenn die Bergsteiger durch den Aufstieg schon stark erschöpft sind, wenn sich das Wetter plötzlich doch verschlechtert oder wenn der Vorrat an künstlichem Sauerstoff, mit dem die meisten Aspiranten unterwegs sind, zur Neige geht.

          Auch am Donnerstag waren nach Angaben von Expeditionsveranstaltern wieder etwa 150 Kletterer auf dem Weg zum Gipfel. Laut der Zeitung „Himalayan Times“ standen mindestens sieben Sherpas, die die Route zum Gipfel in der vergangenen Woche schon mit Seilen gesichert hatten, nun mit ihren Kunden zum zweiten Mal auf dem Gipfel. Auch die Witwen zweier Sherpa-Kletterer, die 2013 und 2014 am Everest tödlich verunglückt waren, hätten am Donnerstag den Aufstieg geschafft. Furdiki Sherpa und Nima Doma Sherpa wollten mit ihrer Expedition auf das Schicksal alleinstehender Frauen in Nepal aufmerksam machen und sie zu eigenen Projekten inspirieren.

          Das einheimische Team, das die Höhe des Mount Everest neu vermessen soll, erreichte nach Angaben des Projektleiters am Mittwoch ebenfalls den Gipfel. Begleitet von drei Sherpa-Kletterern sei es den beiden Landvermessern gelungen, mit ihren Geräten die notwendigen Daten für die Neuvermessung des Bergs zu sammeln. Ihre Auswertung soll aber noch mehrere Monate dauern. Auf der tibetischen Nordseite des Everest erreichten am Mittwoch ebenfalls die ersten Teams den höchsten Punkt.

          Schon in der vergangenen Woche hatte die 47 Jahre alte Südafrikanerin Saray Khumalo als erste schwarze Afrikanerin auf dem Gipfel gestanden. Es war ihr vierter Versuch am Everest gewesen. 2017 hatte sie knapp 100 Höhenmeter vor dem Gipfel umkehren müssen, sie hatte Erfrierungen erlitten und kam schließlich nur dank der Hilfe von Sherpas und Rettungskräften mit dem Leben davon.

          Auch jetzt kam es wieder zu schweren Unglücken am Mount Everest. Eine indische Bergsteigerin starb, vermutlich höhenkrank, oberhalb des letzten Lagers, nachdem sie zuvor mit ihrem Mann den Gipfel erreicht hatte. Ein amerikanischer Bergsteiger kam am Mittwoch ebenfalls beim Abstieg vom Gipfel ums Leben. Damit erhöhte sich die Zahl der Bergsteiger, die in diesem Frühjahr an den Achttausendern im Himalaja tödlich verunglückt sind, auf 13.

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