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Ein Jahr später : Was wurde aus dem Pokémon-Go-Hype?

Im vergangenen Sommer sorgte das Spiel Pokémon Go für viel Aufregung. (Archivbild) Bild: dpa

Vor einem Jahr spielte die ganze Welt Pokémon Go. Inzwischen sieht man kaum noch Pokémon-Jäger auf den Straßen. Was ist aus der virtuellen Monsterjagd geworden?

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          Sie waren viele: zu Hunderten besetzen Pokémon-Go-Spieler im vergangenen Sommer Parkbänke und Stadtzentren und brachen auch mal in Militärgelände ein, um eines der virtuellen Monster zu fangen. In Düsseldorf brachten die Spieler sogar den Verkehr auf einer Brücke zum Erliegen. Die Schlagzeilen über dreiste Spieler, genervte Anwohner und verzweifelte Stadträte häuften sich. Doch dann kam der Herbst, von den Parkbänken bekamen die Spieler einen kalten Hintern und die Finger wurden durch die Kälte zu steif, um Pokébälle zielsicher zu werfen.

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Schaut man sich ein Jahr später auf den ehemals von Spielern überlaufenen Plätzen um, haben die Rentner die Parkbänke und Touristen die Stadtzentren wieder zurück erobert. Größere Ansammlung von Pokémon-Go-Spielern, wie sie im letzten Jahr vor der Frankfurter Eissporthalle täglich zu sehen waren, findet man kaum mehr. Gibt es überhaupt noch Spieler?

          Zum Spielen verabredet man sich über Whatsapp

          Durchaus, sogar einige: allein die Facebook-Gruppe „Pokémon Go Frankfurt am Main“ zählt über 2300 Mitglieder. Heute verabredet man sich über soziale Netzwerke zum gemeinsamen Spielen. So wie Robin, Marcel, Philip, Dominik und Hanna. Sie treffen sich an einem Mittwochvormittag zur Monsterjagd im Palmengarten. Die Spieler haben sich erst vor Kurzem durch eine Whatsapp-Gruppe kennengelernt. Alle sind Ende zwanzig, studieren oder sind berufstätig. Weil sie für das Spiel auch mal eine langweilige Vorlesung schwänzen oder eine ausgedehnte Pause vom Home Office machen, wollen sie ihre Nachnamen lieber nicht verraten.

          Das die Spieler nicht mehr stundenlang an einem Fleck herumsitzen, liegt am letzten Update von Niantic. Für das reine Monstersammeln gibt es jetzt weniger Punkte. Ziel ist es stattdessen, durch die Gegend zu streifen und eine Arena mit einem sogenannten Raid-Boss zu finden. Dabei handelt es sich um ein besonders starkes Pokémon, das zeitweise in einer virtuellen Arena erscheint und nur von einer Spieler-Gruppe besiegt werden kann. Zur Belohnung erhalten die Spieler am Ende besondere Extras und haben die Möglichkeit, das starke Pokémon zu fangen.

          Das neue Update zwingt die Spieler zu mehr Zusammenarbeit

          „Das ist das Gute an dem neuen Update“, sagt Marcel. „Es zwingt die Spieler, zusammenzuarbeiten. So trifft man viele neue Leute.“ Weil er um eine Arena mit einem Raid-Boss zu finden auch mal durch die ganze Stadt fahren muss, lernt der Frankfurter sein Zuhause nochmal ganz neu kennen. „Ich wäre vorher nie in den Schlossgarten gefahren“, erzählt er. „Aber als ich dann zum Spielen da war, habe ich mir auch die Zeit genommen, mich dort umzusehen.“ Sein Fazit: doch ganz schön dort. Auch viele Gedenktafeln und Stolpersteine für Holocaust-Opfer markieren in dem GPS-basierten Spiel einen Pokéstop. „Da nimmt man dann auch die Geschichte dahinter plötzlich wieder wahr“, sagt Marcel.

          Die Spieler sind mal mehr, mal weniger oft unterwegs. „Wenn in der Arbeit viel los ist, spiele ich auch eine Woche lang gar nicht“, sagt Dominik. Marcel bezeichnet sich hingegen als intensiven Spieler: „Ich schaue schon mindestens einmal am Tag rein.“ Den Spaß an der Monsterjagd lassen sie sich auch von schlechtem Wetter nicht nehmen. „Wegen ein bisschen Regens lassen wir uns doch keinen Raid-Boss entgehen“, sagt Hanna. Sie hat einfach ihren Schirm mitgenommen.

          Durch das schöne Wetter fangen viele Spieler wieder an

          Genervt sind die Spieler eher von der Technik: die anhaltenden Serverprobleme und Fehler der App. Auch von einigen Neuerungen des letzten Updates sind nicht alle begeistert. „Wenn man mit einem Pokémon eine Arena besetzt, muss man jetzt warten, bis man besiegt wird. Das kann schon mal eine Woche dauern – oder sogar noch länger“, erzählt Hanna. Deswegen würde sie sich auch freuen, wenn durch das gute Wetter und die Ferienzeit wieder mehr Leute anfangen, zu spielen. Und tatsächlich ist Philip, der eine Facebook- und eine Whatsapp-Gruppe für Pokémon-Spieler betreut, schon wieder ein gestiegenes Interesse aufgefallen: „Zurzeit gibt es zehn bis fünfzehn Anfragen pro Tag mehr als sonst.“

          Dass es wieder so viele Spieler geben wird wie im letzten Jahr, glaubt aber niemand. „Der Hype ist definitiv vorbei“, sagt Marcel. Wie lange sie selbst noch spielen wollen, wissen die fünf nicht so genau. „Man wird ja schon von der Sammelwut gepackt“, sagt Dominik. „Bis die legendären Pokémon ins Spiel kommen, bleibt die App auf jeden Fall noch auf meinem Handy.“ Wann das sein soll, darüber schweigt Niantic. Die Entwickler haben unlängst ein weiteres großes Update angekündigt und planen Pokémon-Go-Events auf der ganzen Welt. Anlässlich des Jahrestags zeigte sich Niantic-Chef John Hanke überzeugt: "Pokémon Go sollte auch in zehn Jahren noch da sein.“ Mal abwarten.

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