Gleichberechtigung heute : „Für Männer ist es nicht attraktiv, in die Hausmannsrolle zu gehen“

Frauen sind berufstätig, kümmern sich um Haushalt, Kinder – und sollen auch noch gut aussehen. Warum heißt Gleichberechtigung heute: alles schaffen? Und wie profitieren reaktionäre Kräfte von der Überlastung der Frauen? Soziologin Sarah Speck gibt Antworten.
Das ist eine große Frage! Als Gesellschaftswissenschaftlerin kann ich nicht über „die Frau“ sprechen. Einer erfolgreichen Anwältin geht es sicherlich anders als einer Pflegekraft oder einer Frau, die aus der Ukraine hierher geflüchtet ist. Es gibt aber ein Stichwort, das sehr viele Lebenslagen betrifft: Erschöpfung. Den gesellschaftlichen Wandel und die Geschlechterverhältnisse von heute zeichnet eine Mehrfachbelastung von Frauen aus – auch durch die Emanzipationserrungenschaften. Durch die berufliche Tätigkeit sind vor allem Aufgaben dazugekommen. Denn weiterhin soll der Haushalt auf eine bestimmte Art geführt werden, Frauen müssen zeitaufwendigen Schönheitskriterien entsprechen, und das Leitbild guter Mutterschaft ist nach wie vor rigider als das einer guten Vaterschaft.
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