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Als Militärberater: Otto Braun, alias Li De, 1939 in China. Bild: bpk

Erinnerung an Otto Braun : Maos deutscher Sündenbock

Die Kommunistische Partei Chinas feiert am Donnerstag 100 Jahre ihres Bestehens. An Otto Braun wird wieder nicht erinnert. Dabei war er weit mehr als nur Militärberater.

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          Im Spätsommer 1939 wurde Otto Braun kurz vor Sonnenaufgang in seiner Wohnhöhle im zentralchinesischen Yan’an von einem Boten geweckt. Dieser überbrachte eine handschriftliche Notiz aus dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas: „Komm sofort zum Flughafen, du fliegst nach Moskau.“ Drei Jahre lang hatte der deutsche Militärberater und Agent des sowjetischen Militärgeheimdienstes immer wieder um seine Rückberufung gebeten. Doch weil er aus Moskau nie eine Antwort bekam, hatte er sich darauf eingestellt, womöglich für immer in China bleiben zu müssen.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Braun hatte eine chinesische Sängerin geheiratet und verspätet damit begonnen, ordentlich Chinesisch zu lernen. Doch dann ging auf einmal alles ganz schnell. Der Mann aus dem bayerischen Ismaning verabschiedete sich von seiner Frau Li Lijian, die er nie wiedersehen würde. Er stieg auf sein Pony und ritt zum Flughafen. Dort hatte sich die Führung der Partei versammelt. „Sogar Mao Tse-tung wünschte mir eine gute Reise“, schrieb Otto Braun später in seinen Memoiren. „Ohne ein Wort des Dankes oder der Anerkennung.“

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