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Kandidatur für den SPD-Vorsitz : Für Böhmermann hat es „möglicherweise knapp nicht gereicht“

Kandidiert nicht für den SPD-Vorsitz: Jan Böhmermann. Bild: dpa

Bis zuletzt gab der Satiriker sich optimistisch, spontan Kandidat für den SPD-Vorsitz werden zu können – scheiterte aber an den formellen Hürden. Ganz aufgeben will er die Sozialdemokratie aber noch nicht.

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          Es war ohnehin ein wahnwitziges Unterfangen, bei dem wie immer niemand so recht wusste, wie weit Jan Böhmermann wirklich bereit ist, zu gehen. Am Donnerstagabend hatte der 38 Jahre alte Satiriker in seiner Sendung verkündet, er wolle für den Vorsitz der SPD kandidieren – und gab damit das sportliche Ziel aus, sich binnen knapp drei Tagen die Unterstützung von fünf SPD-Unterbezirken zu sichern. Zunächst musste er jedoch Parteimitglied der Sozialdemokraten werden.

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          20 Minuten nachdem am Sonntagabend die Bewerbungsfrist verstrichen war, musste Böhmermann jedoch seine Niederlage einräumen: „Liebe Freunde, liebe Genossinnen, 72 aufregende Stunden liegen im Kampf für die Kandidatur zum SPD-Vorsitz hinter dem #neustart19 Team und mir. Trotz vollen Einsatzes hat es am Ende möglicherweise knapp nicht gereicht, die strengen Kriterien zu erfüllen“, twitterte Böhmermann und sprach von einem „herben Rückschlag für die Erneuerung der SPD“.

          Nach außen hin hatte der Fernsehmoderator, der inhaltliche Fragen auf später verschob, es bis zum Schluss spannend für seine Fans gemacht. So hatte er am Freitagmittag zunächst verkündet, bereits vier von fünf Unterbezirken hinter sich zu haben. Einen Tag später hieß es dann jedoch, alle vier hätten ihre Unterstützung wieder zurückgezogen. Dafür wollte er Fortschritte beim Eintritt die SPD gemacht haben. Tatsächlich hatte der SPD-Ortsverein in Köthen, Sachsen-Anhalt, Jan Böhmermanns Mitgliedsantrag bewilligt. „Wir freuen uns über jeden, der dabei hilft, die Sozialdemokratie in Deutschland zu retten. Und Jan Böhmermann ist in vielerlei Hinsicht nicht nur hoch kompetent, sondern auch ein streitbarer Geist, der der SPD viele Denkanstöße geben kann“, erklärte der Ortsvorstand, der eigentlich das Kandidatenduo Simone Lange und Alexander Ahrens unterstützt, auf Anfrage der F.A.Z.

          Wie geht’s weiter?

          Wie jedoch ein Sprecher des Landesverbandes Sachsen-Anhalt wenig später mitteilte, hielt die Aufnahme durch die Köthener nicht den Formalitäten Stand: Die müsse nach SPD-Statuten nämlich durch den zuständigen Ortsverein erfolgen, in Böhmermanns Fall Köln-Ehrenfeld. Der hatte Böhmermanns Ansinnen bereits am Freitag eine Absage erteilt. 

          Dennoch gab sich der Satiriker auf Twitter am Sonntag optimistisch und erklärte, sein Team sei mit den „zuständigen Unterbezirken in Kontakt“ um „kleine Herausforderungen“ um sein Parteibuch zu lösen. Doch das hat offensichtlich nicht mehr rechtzeitig geklappt. 

          Aufgeben will Böhmermann, dessen Vorstoß in der SPD wegen mutmaßlich mangelnder Ernsthaftigkeit auch auf Kritik stieß, aber noch nicht: „Morgen Mittag werde ich Stellung nehmen, wie es weitergeht und ob ich meine Kandidatur für den Parteivorsitz der SPD ggf. noch juristisch durchsetzen werde“, schrieb Böhmermann weiter auf Twitter. Wie ernst es Böhmermann auch war – der Twitter-Account seiner Kampagne „#neustart2019“ hat in den drei Tagen mit rund 27.000 Followern – mit Ausnahme von Bundesvizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz – deutlich mehr Abonnenten als die Bewerber der zugelassenen acht Kandidatenduos.

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