In Essen :
Polizei sucht mit Namen und Foto nach geflohenem Häftling

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Ein Flatterband hängt vor dem Ärztehaus, aus dem der Häftling befreit wurde.
Ein Flatterband hängt vor dem Ärztehaus, aus dem der Häftling befreit wurde.dpa

Ein dreister Angriff am helllichten Tag: Vor einer Essener Arztpraxis haben Bewaffnete am Mittwoch einen Untersuchungshäftling befreit. Die Fahndung nach dem Trio läuft auf Hochtouren.

Am Donnerstagmorgen lief die öffentliche Fahndung nach einem am Vortag in Essen von zwei Komplizen befreiten Untersuchungshäftling weiter auf Hochtouren. Der 34 Jahre alte Mann, der nach Angaben der Polizei den Namen Dijvar Gündüz trägt, hatte am frühen Mittwochmittag einen Termin bei einem Radiologen in der Essener Innenstadt. Zwei Beamte brachten den an Händen und Füßen gefesselten Mann aus der Justizvollzugsanstalt Essen dorthin.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler näherten sich gegen 12.45 Uhr im Treppenhaus kurz vor der Tür zur Praxis zwei maskierte und bewaffnete Männer den Justizbeamten von vorne und hinten, schlugen ihnen ihre gezogenen Dienstpistolen aus der Hand, überwältigten sie und fesselten sie an das Treppengeländer. Sodann nahmen die Fluchthelfer den Beamten die Schlüssel für die Hand- und Fußfesseln ab und befreiten Gündüz. Der Häftling und seine beiden Helfer flohen nach Angaben von Zeugen in unterschiedliche Richtungen. Gündüz nutzte dafür einen E-Scooter.

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Limbach: „erhebliche kriminelle Energie“

Der nordrhein-westfälische Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) verurteilte die Tat am Donnerstag scharf. Der Angriff sei „mit erheblicher krimineller Energie“ am helllichten Tag mitten in Essen verübt worden. Es handle sich um „einen dreisten Angriff auf unseren Staat“. Im Mittelpunkt ständen nun die Ergreifung der Täter und die Aufklärung der Hintergründe des Verbrechens. Er sei erleichtert, dass die beiden Justizbeamten unverletzt seien, und danke ihnen für den besonnenen Einsatz, sagte der Minister.

Wird gesucht: der entflohene 34 Jahre alte Häftling
Wird gesucht: der entflohene 34 Jahre alte HäftlingPolizei Essen

Am Mittwoch musste die Polizei zwischenzeitlich auch eine Seitenstraße wenige Hundert Meter vom Tatort entfernt sperren. Zeugen hatten gesehen, dass einer der Männer einen verdächtigen Gegenstand unter ein Auto geworfen hatte. Ein Entschärferteam des Landeskriminalamts NRW konnte bald Entwarnung geben: Es handelte sich um die Holz-Attrappe einer Handgranate.

Wie das nordrhein-westfälische Justizministerium mitteilte, saß der aus Kleve am Niederrhein stammende 34-Jährige wegen des Verdachts auf Drogendelikte und gefährliche Körperverletzung in Untersuchungshaft. Nach Informationen der F.A.Z. geht es um bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln in größerem Umfang. Auch soll der Mann bereits wegen anderer Delikte wie Geldwäsche und den Entzug von Minderjährigen polizeilich in Erscheinung getreten sein.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, man sei zuversichtlich, in dem Fall zügig voranzukommen. Nach dem Trio werde intensiv und mit allen verfügbaren Mitteln gefahndet, auch öffentlich. Die Tat sei offensichtlich von langer Hand geplant gewesen.

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