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Folgenreiche Entscheidung : Malaysia kippt Schnellbahn nach Singapur

Malaysias Ministerpräsident Mahathir bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung. Bild: AP

Auf 90 Minuten hätte sich die Fahrtzeit von Kuala Lumpur nach Singapur verkürzt. Eine Kehrtwende von Ministerpräsident Mahathir macht nun auch Siemens-Hoffnungen zunichte.

          2 Min.

          Die erste große wirtschaftspolitische Entscheidung der neuen Regierung in Malaysia ist ein Desaster, das rund um die Welt zu spüren ist. Erste Leidtragende sind der Nachbarstaat Singapur, Technikanbieter wie China, Japan und Südkorea, aber auch europäische Industriekonzerne.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der neue Ministerpräsident Mahathir Mohamad hat den Bau der geplanten und weitgehend durchverhandelten Hochgeschwindigkeitsbahn von der Hauptstadt Kuala Lumpur nach Singapur abgesagt. In erster Linie konkurrierten Chinesen und Japaner um den Bau der Strecke, dessen Investitionsvolumen auf bis zu 25 Milliarden Dollar taxiert wurde. Doch auch Siemens machte sich Hoffnungen. Dem Handelsplatz Singapur hätte die Strecke die Anbindung an das nördliche Südostasien und Südchina gebracht.

          Mahathir begründet das Aus für die Bahn mit dem Zustand der Finanzen des Landes. Die Vorgängerregierung unter Najib Razak habe die Kassen gelehrt, die drittgrößte Volkswirtschaft Südostasiens müsse sparen. Nach Berechnungen der neuen Regierung fehlt der Staatskasse mehr als eine Billion Ringgit (215,27 Milliarden Euro).

          Auch Siemens wäre gern dabei gewesen

          Siemens hatte sich im Rahmen eines europäischen Konsortiums mit Alstom, Ferrovie dello Stato Italiane sowie der österreichischen Porr um den riesigen Auftrag bemüht. Allerdings wurden China stets die größten Chancen zugebilligt, da Peking nicht nur mit einer Finanzierung, sondern auch mit einer Vielzahl möglicher Folgeprojekte warb. China hat seinen Einfluss in Malaysia in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut und eine ganze Reihe von Großprojekten angestoßen, die allerdings von vielen Malayen äußerst kritisch betrachtet werden.

          Das nun aufgegebene Bahnprojekt hätte nach Jahren der Planung 2026 fertig gestellt werden sollen. China arbeitet auch am Bau einer Ost-West-Verbindung durch Malaysia, die nun ebenfalls in Frage gestellt ist. Mahathir will mit den Chinesen über „ungleiche Verträge“ verhandeln. Dazu zähle auch die Verbindung quer über die Halbinsel. Für China wäre sie wichtig, weil sie eine direkte Verbindung zwischen dem Indischen Ozean und dem Pazifik mit seiner chinesischen Einflusszone darstellt.

          Zwischen Singapur und Malaysia hatte in den vergangenen Jahren Tauwetter geherrscht. Malaysias Staatsfonds durften sich gemeinsam mit Singapurs Temasek am Bau mehrerer Großprojekte auch deutscher Architekten in Singapur beteiligen.  Umgekehrt planten Malaysier und Singapurer gemeinsam die Bahnstrecke. Sie sollte die gut fünf Stunden lange, 350 Kilometer weite Bahnreise zwischen Kuala Lumpur und Singapur auf 90 Minuten verkürzen.

          Kritisch gegen Singapur

          Der 92 Jahre alte Mahathir steht dem reichen Stadtstaat aber von jeher kritisch gegenüber. Er räumte ein, dass durch die Aufkündigung des Projektes nun eine Vertragsstrafe an Singapur fällig werde. Sie soll sich auf 500 Millionen Ringgit belaufen, hieß es zunächst. „Das ganze hätte uns eine Menge Geld gekostet, aber keines gebracht“, erklärte Mahathir.

          In einem Interview mit der Financial Times hatte er zuvor gesagt, die Entscheidung habe so fallen müssen, „um nicht bankrott zu gehen“. Der Bau der Bahn hätte Malaysia mit umgerechnet 28 Milliarden Dollar belastet, so Matahir. Allerdings wäre dank der Bahnstrecke die weltweit am meisten geflogene Flugstrecke zwischen den beiden Städten entlastet worden.

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