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Monte dei Paschi : Älteste Bank der Welt steht vor ungewisser Zukunft

Der Eingang der Monte dei Paschi Zentrale in Siena Bild: Reuters

Die Gespräche zur Übernahme von Monte dei Paschi durch UniCredit enden ergebnislos. Die Regierung von Mario Draghi muss nun eine andere Lösung suchen.

          3 Min.

          Die Rettung der ältesten Bank der Welt, Monte dei Paschi aus Siena, steht vor dem Scheitern. Die Gespräche über eine Übernahme durch die italienische Großbank UniCredit sollen in den kommenden Tagen ergebnislos beendet werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldete. Weder die Banken noch die Regierung, die als Mehrheitseigentümer von Monte dei Paschi eine Privatisierung anstrebt, bestätigten die Meldung, doch am Sonntag bestand aufgrund inoffizieller Informationen in Rom und Mailand kaum noch ein Zweifel daran, dass die Regierung nun eine neue Lösung suchen muss.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Bisher bestand das Ziel, die Privatisierung bis Mitte des kommenden Jahres abzuschließen. Nun könnte die italienische Regierung eine Verlängerung der Frist beantragen müssen, heißt es in Rom. Die Zukunft der Bank wird auch von den Bedingungen abhängen, welche die Europäische Zentralbank als Bankenaufsichtsbehörde und die EU-Kommission als Kontrolleurin staatlicher Wettbewerbsverzerrungen stellen.

          Monte dei Paschi ist der größte Sanierungsfall des italienischen Bankensektors. Die nun wieder ungewisse Zukunft der Bank ist zudem ein weiterer Schlag für Siena und die Toskana. Das 1472 gegründete Kreditinstitut ist eng mit der Geschichte der Stadt verbunden, denn sein Geld floss fünf Jahrhunderte lang in Gesundheitsdienstleistungen, Kindergärten und die Universität vor Ort. Dass Monte dei Paschi das berühmte Pferderennen von Siena, den Palio, sponsort, zeigt die enge Verflechtung. Lange Zeit war die Bank von einer Stiftung kontrolliert, hinter der die Stadt Siena stand. Die üppigen Dividenden finanzierten kulturelle und karitative Einrichtungen.

          Doch das ist Vergangenheit. Monte dei Paschi musste 2017 verstaatlicht werden, nachdem bekannt wurde, dass die Bank Verluste von Hunderten von Millionen Euro in komplizierten Derivate-Verträgen versteckt hatte. Mehrere Angestellte kamen im Zuge des Skandals, der in der italienischen Politik auch zum Aufstieg populistischer Parteien beitrug, ins Gefängnis. Seit der Verstaatlichung blieb die Bank ein Sorgenkind der Regierung. Im Juli dieses Jahres kam bei einem Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA keine der 50 untersuchten Banken schlechter weg als Monte dei Paschi.

          UniCredit will keinen Sanierungsfall

          Eine Übernahme durch UniCredit, der zweitgrößten Bank Italiens nach Intesa San Paolo und Muttergesellschaft der deutschen HVB, schien wie ein willkommener Ausweg. Große Hoffnungen lagen auf den im Juli begonnenen Verhandlungen mit der Bank, deren Verwaltungsratspräsident der ehemalige Finanz- und Wirtschaftsminister Pietro Carlo Padoan ist. Doch das Kreditinstitut will sich keinen schweren Sanierungsfall ans Bein binden lassen; seit Beginn des Jahres ist seinen Börsenwert um gut 50 Prozent auf mehr als 25 Milliarden Euro gestiegen. Die Forderung der Regierung, außer den süditalienischen Filialen quasi das gesamte Portfolio von Monte dei Paschi zu übernehmen, soll das Fass zum Überlaufen gebracht haben, schrieb die Wirtschaftszeitung „Sole 24 Ore“. Die süditalienischen Filialen sollten nach dem Willen der Regierung unter das Dach der staatlichen Bank Mediocredito Centrale kommen.

          Doch vor allem bei der Kapitalausstattung waren die Meinungsverschiedenheiten unüberbrückbar geworden. Unicredit forderte eine staatliche Kapitalspritze von mehr als 7 Milliarden Euro. Der gesamte Kapitalbedarf einschließlich Restrukturierungskosten und Haftungsrisiken belaufe sich sogar auf mehr als 8 Milliarden Euro, hieß es bei UniCredit. Solche Summen seien für die Steuerzahler nicht zumutbar, entgegnete das Finanzministerium. Die Regierung soll nur zu einer Kapitalspritze von maximal 2,5 Milliarden Euro bereit gewesen sein. Einschließlich Steuergutschriften und anderer Ausgaben wie Maßnahmen zugunsten der Mitarbeiter hätte der staatliche Einsatz auf maximal 5 Milliarden Euro steigen können, hieß es, doch der Abstand zu den Forderungen von UniCredit war immer noch zu groß.

          Uneinigkeit bestand zudem über den Umfang der erforderlichen Stellenstreichungen. Unicredit soll darauf gedrängt haben, dass rund ein Drittel der Belegschaft von 21.000 Mitarbeitern abgebaut werden müsse, was zu Kosten von etwa 1,4 Milliarden Euro geführt hätte – eine Forderung, die gerade am historischen Sitz der Bank zu großen sozialen Spannungen führte. Die Gewerkschaften haben mit Streiks und anderen Aktionen, darunter Klagen vor Gericht, protestiert.

          Bereits im August hatte der Finanz- und Wirtschaftsminister Daniele Franco in den Finanzausschüssen der Abgeordnetenkammer und des Senats gesagt, dass UniCredit „die strategisch beste Lösung im Interesse des Landes„ sei, doch er fügte an, dass die Verhandlungen nicht “um jeden Preis“ geführt werden können. Schon die Rettung vor vier Jahren hatte den Staat 5,4 Milliarden Euro gekostet.

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