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Windreich : Alles nur ein Irrtum?

  • -Aktualisiert am

Viel Wind um nichts? Bild: dapd

Die Staatsanwaltschaft wirft Windreich nun auch Insolvenzverschleppung vor. Für die Anwältin von Firmenchef Balz beruhen die Anschuldigungen indes auf einem Irrtum.

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          Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft prüft im Zuge der Ermittlungen gegen den Projektentwickler Windreich auch den Verdacht der Insolvenzverschleppung. Dies sagte eine Behördensprecherin auf Nachfrage. Details nannte sie nicht. Der Verdacht der Insolvenzverschleppung sei auch Bestandteil des Durchsuchungsbeschlusses gewesen, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

          Aufgrund des Beschlusses sind in der vergangenen Woche in Büros und Privaträumen von Managern 1200 Aktenordner mit Unterlagen beschlagnahmt worden. Einen Insolvenzantrag hat Windreich nicht gestellt, wie das zuständige Amtsgericht in Esslingen der FAZ sagte.

          Alles nur ein Irrtum?

          Bei der Durchsuchungsaktion vor einer Woche war zunächst von Bilanzmanipulation, Kapitalanlagebetrug, Marktpreismanipulation und Kreditbetrug die Rede gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen fünf amtierende und ehemalige Manager des Unternehmens, darunter der Gründer Willi Balz sowie der frühere baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP).

          Balz sagte nun der FAZ, Windreich rechne in kurzer Zeit mit einem „dreistelligen Zugang“ von Mitteln. Die Liquiditätsprobleme, die Balz in jüngerer Zeit ausdrücklich bestätigt hatte, wären damit möglicherweise überwunden.

          Das Unternehmen weist die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Ein Sprecher sagte ergänzend: „Unseres Erachtens beruhen die Argumentation der Staatsanwaltschaft - und damit auch die Vorwürfe selbst - schlicht auf einem Irrtum. Wir haben ein großes Interesse an der Aufklärung der Vorwürfe und kooperieren deshalb vollumfänglich mit den Behörden.“

          Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Vorwürfe auf die Übertragung eines Aktienpakets im Wert von 30 Millionen Euro. Nun macht die Verteidigung von Balz geltend, dass die Ermittler dabei die betroffenen Unternehmen verwechselt hätten. „Letztlich wurde also die Anschuldigung falscher bilanzieller Darstellung auf dem falschen Fundament (...) gebaut“, heißt es in einem Brief der Anwältin von Balz, der der FAZ vorliegt.

          Staatsanwaltschaft bestreitet Irrtum

          Die Staatsanwaltschaft weist diese Vermutung weit von sich. Erstens seien die entsprechenden Daten in öffentlichen Unterlagen vielfach nachzuvollziehen, so in den Emissionsprospekten der Windreich-Anleihen, im Unternehmensregister oder auch in den Angaben zum Aktionärskreis im Jahresabschluss der Windreich AG.

          Völlig unabhängig davon aber, um welche Aktien es geht, sei der wesentliche Vorwurf ein ganz anderer, erklärt die Staatsanwältin: Windreich habe das Aktienpaket an eine hundertprozentige Tochtergesellschaft verkauft, die niemals in der Lage gewesen wäre, den Preis von 30 Millionen Euro zu bezahlen. „Ein sorgfältiger Kaufmann muss das realisieren“, so die Staatsanwältin. Deswegen hätte die Kaufpreisforderung für dieses Paket niemals mit einem so hohen Wert in der Bilanz stehen dürfen.

          Eine grobe Sichtung der Unterlagen, die bei der Durchsuchung mitgenommen wurden, werde bis Juni dauern, hat die Staatsanwaltschaft gegenüber Balz’ Anwältin erklärt. Erst danach seien Gespräche darüber sinnvoll, inwieweit die Vorwürfe begründet seien. Sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Stuttgart erhärten, droht den betroffenen Managern im schlimmsten Fall eine mehrjährige Freiheitsstrafe.

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          Windreich hat zwei Anleihen an der Stuttgarter Börse im Volumen von 125 Millionen Euro plaziert. Die Kurse hatten nach dem Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens noch einmal stark nachgegeben. Aktuell notieren sie bei 33 und 28 Prozent ihres Nennwerts. Bei der Zinszahlung für eine der Anleihen, die Anfang März fällig gewesen war, ist es zu Verzögerungen gekommen.

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