https://www.faz.net/-gv6-7spbo

Emissionskalender : Im Zinstal

Bild: F.A.Z.

Am Anleihenmarkt ist die Sommerpause noch nicht beendet. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bleibt auf einem Rekordtief. Der Trend geht abwärts: Sie könnte in den kommenden Monaten sogar unter ein Prozent fallen.

          Die Unternehmen machen Sommerpause: Neue Anleihen bleiben Mangelware. An den Finanzmärkten meiden die Investoren Risiken. Nach einer Umfrage von Merrill Lynch, der Investmentbank der Bank of America, haben Fondsmanager in den letzten vier Wochen ihre Bargeldbestände von 4,5 auf 5,1 Prozent erhöht. Das ist ein neues Zweijahreshoch. Zum einen sind geopolitische Risiken wie in der Ukraine, im Irak oder in Nahost der Grund. Zum anderen wird eine Leitzinserhöhung in den Vereinigten Staaten erwartet. Fast zwei Drittel der 224 befragten Fondsmanager rechnen damit noch im ersten Halbjahr 2015. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten sind gut ausgefallen und dürften diese Sichtweise bekräftigen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          An den Anleihemärkten ist davon aber nichts zu spüren. Die zehnjährige Bundesanleihe hat in der vergangenen Woche ein Rekordtief von 1,023 Prozent erreicht. Damit verbunden waren Kursgewinne der Anleihe. So stieg der Bund-Future, der Terminkontrakt für die zehnjährige Bundesanleihe, auf das Rekordhoch von fast 150 Prozent. Auch die Aufstockung einer zehnjährigen Anleihe stieß am Mittwoch auf eine hohe Resonanz. Das Angebot von 4 Milliarden wurde mit 5,3 Milliarden Euro nachgefragt. Die Durchschnittsrendite stellte sich auf 1,08 Prozent. Die niedrigen Inflationsdaten im Juli deuten auf eine nachlassende konjunkturelle Dynamik – auch in Deutschland. Die Europäische Zentralbank (EZB) will die niedrigen Zinsen vorerst beibehalten und prüft zusätzliche Maßnahmen zur Belebung der flauen Konjunktur in Südeuropa. Am Markt werden auch Staatsanleihenkäufe nicht ausgeschlossen. Dann können weiter steigende Kurse die zehnjährige Rendite unter 1 Prozent drücken.

          Risikoaufschlag ist gesunken

          Aber auch amerikanische Staatsanleihen stehen hoch im Kurs. Seit Jahresanfang ist die zehnjährige Rendite von 3 auf gut 2,4 Prozent gesunken. Dass es trotz der erwarteten Zinserhöhung noch zu keinem Anstieg der Rendite gekommen ist, liegt auch an dem knappen Angebot von Schuldtiteln erstklassiger Emittenten. Die amerikanische Notenbank (Fed) hat in den vergangenen fünf Jahren ihre Bestände an Staatsanleihen um 2 Billionen auf nun 2,42 Billionen Dollar gesteigert, wie aus einer Statistik der St. Louis Fed hervorgeht. Insgesamt befinden sich amerikanische Staatsanleihen von 12,2 Billionen Dollar im Umlauf. Der Bedarf an hochwertigen Anleihen steigt, weil Banken schärfer reguliert werden. Sie benötigen für den Liquiditätspuffer mehr sichere Wertpapiere. Deutsche oder amerikanische Staatsanleihen sind erste Wahl.

          Wegen des knapperen Angebots haben Bankanleihen die jüngsten Verwerfungen an den Finanzmärkten schadlos überstanden. Obwohl Anleihegläubiger in Europa künftig für Bankenrettungen haften werden, ist der Risikoaufschlag gesunken. Der Abstand zum risikolosen Marktzins (Swapmitte) beträgt 0,57 nach 0,73 Prozentpunkten am Jahresanfang. Europas Banken haben nach Angaben von WGZ-Bank-Analyst Tim Weber in diesem Jahr unbesicherte Anleihen über 80 Milliarden Euro begeben. Das sind 21 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Aber gleichzeitig seien 106 Milliarden Euro fällig geworden. Der Umlauf an europäischen Bankanleihen sinkt laut Weber auch deshalb, weil die Banken sich bei der EZB abermals sehr günstig finanzieren können. In den kommenden Monaten sei weiterhin nur mit wenigen Neuemissionen zu rechnen. Bankanleihen bleiben also knapp.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.
          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.