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Wieder mehr Unternehmensfusionen : Das Übernahmefieber ergreift die Börsen

Starke Wirkung: Pfizer bleibt an Astra Zeneca interessiert. Das treibt den Aktienkurs des britischen Konkurrenten Bild: REUTERS

Die Aussicht auf weitere Deals treibt die Aktienkurse potentieller Übernahmekandidaten. Für Besitzer von Unternehmensanleihen ist das allerdings keine gute Nachricht.

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          In den Handelssälen der großen Banken sind nach einer jahrelangen Flaute große Unternehmensfusionen wieder Gesprächsthema Nummer eins. Eine spektakuläre Nachricht jagt derzeit die nächste. In der vergangenen Woche kündigte der amerikanische Medizintechnikkonzern Zimmer den Kauf des Konkurrenten Biomet für mehr als 13 Milliarden Dollar an. Der kanadische Pharmakonzern Valeant bietet gemeinsam mit dem Hedgefondsmanager Bill Ackman 47 Milliarden Dollar für Allergan, den amerikanischen Hersteller des Antifaltenmittels Botox.

          In Europa fesselt der Bieterkampf um Teile des französischen Technologiekonzerns Alstom zwischen dem amerikanischen Mischkonzern General Electric und dem deutschen Rivalen Siemens die Branche. Und am Montag gab der amerikanische Pharmariese Pfizer bekannt, dass er weiter am großen britischen Konkurrenten Astra Zeneca interessiert ist – obwohl dieser ein erstes Angebot bereits zurückgewiesen hat. Mit einem Kaufpreis von fast 100 Milliarden Dollar handelte es sich um eine der größten Übernahmen der Wirtschaftsgeschichte.

          Börsianer lieben Fusionen

          An den Aktienmärkten kamen diese Nachrichten gut an. Der Kurs von Astra Zeneca schoss um 16 Prozent in die Höhe. Auch der Kurs von Pfizer reagierte mit deutlichen Aufschlägen. Der breit gefasste europäische Aktienindex Stoxx 600 stieg im Handelsverlauf bis zu 0,5 Prozent. An der Wall Street legte das Marktbarometer S&P 500 im frühen Handel ebenfalls leicht zu. Börsianer lieben Fusionen nicht nur, weil Übernahmen die Aktienkurse der gekauften Unternehmen in die Höhe treiben.

          Sie schüren auch die Hoffnung, dass andere Konzerne in der Branche mit eigenen Zukäufen reagieren, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Dazu signalisieren Spitzenmanager mit Akquisitionen ihre allgemeine Hoffnung auf wirtschaftliches Wachstum – was die Stimmung an der Börse ebenfalls positiv beeinflusst. „Ich glaube, es ist gut für den Markt“, kommentierte Simon Baker, der Gründer des kalifornischen Vermögensverwalters Baker Avenue Asset Management. „Es wird typischerweise noch viel mehr dieser Transaktionen geben, weil andere Unternehmen es für nötig halten, nachzuziehen. Am Ende des Tages ist es eine Prophezeiung, die sich selbst erfüllt.“

          Bild: F.A.Z.

          Das Volumen für dieses Jahr weltweit angekündigten Fusionen und Übernahmen beläuft sich schon auf mehr als 1000 Milliarden Dollar, meldet der Informationsdienst Thomson Reuters. Es ist erst das dritte Mal seit dem Jahr 1980, dass das Fusionsvolumen diese Marke so früh im Jahr überspringt. Allein im ersten Quartal hatten Unternehmen Fusionen im Volumen von 710 Milliarden Dollar angekündigt – 54 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

          Das hatte im ersten Quartal auch für steigende Einnahmen bei Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley geführt, die Unternehmen bei Zusammenschlüssen beraten. Goldman meldete in diesem Geschäftsbereich die höchsten Einnahmen seit 2007, dem Jahr vor der Finanzkrise. Investmentbanker scheinen mit einem weiteren Anschwellen der Fusionswelle zu rechnen. Ruth Porat, die Finanzchefin von Morgan Stanley, sprach in einer Telefonkonferenz mit Analysten von einer „vielversprechenden“ Auftragslage. „Wir haben darauf alle seit langer Zeit gewartet“, sagte Porat.

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