https://www.faz.net/-gv6-7s1w6

Dax-Unternehmen : Härtetest für Aktionäre

Die Dax-Unternehemn müssen sich was einfallen lassen um ihre Gewinnerwartungen zu erfüllen Bild: Getty Images/Ikon Images

Der Dax ist stark gestiegen, die Unternehmensgewinne nicht. Das kann nicht lange gutgehen. Jetzt müssen die Firmen gute Ergebnisse präsentieren. Anleger sollten darüber nachdenken, ihre Ausrichtung auf Europa zu reduzieren.

          3 Min.

          Die Worte des Chefanlagestrategen der Deutschen Bank sind deutlich. „Die Unternehmen müssen jetzt liefern. Die Großanleger verlieren zunehmend die Geduld mit Firmen, die die Gewinnerwartungen nicht erfüllen“, sagt Ulrich Stephan. Bisher war das anders: Die Aktienkurse stiegen und stiegen, obwohl die Gewinne der Unternehmen kaum zulegten. Denn die Zinssenkungen der Notenbanken trieben die Anleger in Aktien. Doch jetzt wollen die Aktionäre endlich harte Fakten sehen. Stephan spricht von einem „Paradigmenwechsel“.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So wird die gerade begonnene Quartalssaison, in der die Dax-Unternehmen ihre Geschäftszahlen für die Monate April bis Juni präsentieren, zur Nagelprobe. In den kommenden zwei Wochen legen fast alle von ihnen ihre Ergebnisse vor. Sollten die Zahlen unter den Erwartungen liegen, wird die Börse heftiger reagieren als in den vergangenen Jahren. Denn angesichts von Kursen fast auf Rekordniveau und Aktienbewertungen weit oberhalb des langjährigen Durchschnitts sind die Anleger nervös geworden. Sie schauen genauer hin, wie die Firmen wirtschaften und welche Prognosen sie geben.

          Das zeigen schon erste Veröffentlichungen kleinerer Gesellschaften. Die Software AG und Drägerwerk warnten vor Gewinnrückgängen und wurden mit zweistelligen Kursverlusten bestraft. Die ersten Zahlen der großen Dax-Unternehmen waren durchwachsen. SAP und Daimler wurden positiv aufgenommen, die der Deutschen Börse gemischt, BASF enttäuschte. Nächste Woche kommen bekannte Namen wie Deutsche Bank, Siemens, Lufthansa und Volkswagen.

          Bild: F.A.Z.

          Analysten gehen für den Durchschnitt der 30 Dax-Mitglieder von Gewinnsteigerungen um 13 Prozent im Vergleich zum gleichen Quartal im Vorjahr aus. Für das Gesamtjahr 2014 erwarten sie nur noch sechs bis acht Prozent. Das ist nur die Hälfte der Erwartungen zu Jahresanfang. Vor allem die Prognosen für Banken, Versorger, aber auch Industrieunternehmen wurden gesenkt. Die Energiewende belastete genauso wie der starke Euro, politische Turbulenzen in der Ukraine und dem Nahen Osten und schwache, aber für den Export wichtige Schwellenländer. Nur für sieben Unternehmen wurden die Gewinnschätzungen erhöht, am stärksten für den Chiphersteller Infineon, BMW und Daimler sowie die Münchener Rück.

          Diese Gewinnrevisionen, wie die Experten sagen, sind ein Hauptgrund, warum der Dax jetzt nicht höher steht als im Januar. Und selbst sein Rekordhoch von Anfang Juli bedeutete damals gerade mal einen Jahresgewinn von fünf Prozent. Da waren die Anleger in den vergangenen Jahren deutlich mehr gewohnt. Dass der Dax auf der anderen Seite trotz einiger negativer Nachrichten nicht gesunken ist, zeigt, dass immer noch viel Geld auf den Aktienmarkt fließt, weil es woanders nur schwer eine attraktive Rendite findet – dank der rekordtiefen Zinsen, für die die Notenbanken gesorgt haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ganz schön neblig: Der Covid-19-Impfstoff muss in Spezialkühlschränken aufbewahrt werden bei mehr als eisigen Temperaturen.

          Corona-Impfung : Was man über mögliche Nebenwirkungen weiß

          In Deutschland wird gegen Covid-19 geimpft. Die Impfstoffe sind neu und vielen nicht geheuer, sie fürchten gar Langzeitfolgen. Dabei ist über unerwünschte Begleiterscheinungen der Spritze schon viel bekannt.
          Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

          F.A.Z. Exklusiv : Die Deutsche Bank ruft nach mehr Staat

          Das Frankfurter Geldhaus sieht die gemeinsamen Corona-Hilfskredite von KfW und Geschäftsbanken als Erfolgsmodell. So sollte nun auch die Transformation der Wirtschaft in Bereichen wie Verkehr und Künstlicher Intelligenz finanziert werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.