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Aktienmarkt : Die Rekordjagd ist erst einmal vorbei

Analysten erwarten weitere Kursgewinne im Dax. Bild: REUTERS

Im Mai erreichte der Aktienindex Dax mehrere Höchststände - seither sind Aktionäre zurückhaltender. Zu den Gewinnern zählten Aktien von Unternehmen, die beim tiefgreifenden Umbau vorankommen. Die höchsten Zuwächse verzeichneten SMA Solar und Aixtron.

          Die Börsenberichte im Mai waren voll von Rekordmeldungen. Zunächst erreichte der Aktienindex Dax Anfang des Monats seinen bis dahin höchsten Schlussstand von 8122 Punkten. Schließlich konnte er auch einen neuen Höchststand im Tagesverlauf aufstellen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Im weiteren Monatsverlauf verbesserte der Börsenindex den Rekord noch einmal auf 8531 Zähler. Am Ende des Monats stand nach mehreren Monaten mit einem freundlichen Trend immer noch ein Plus von 436 Punkten, was einem Zuwachs von 5,5 Prozent entspricht. Im Vergleich zum breiter gefassten F.A.Z-Index zeigt sich indes, dass diese Rekordwerte sich relativieren, wenn man berücksichtigt, dass der Dax anders als dieser oder der amerikanische Aktienindex S&P 500 Dividendenzahlungen beinhaltet. Der F.A.Z.-Index ist mit seinem Monatsschlussstand von 1746 Punkten noch weit von seinem Hoch entfernt.

          Solarbranche wieder gefragt

          Den Trend allerdings zeichnet er genauso nach wie der Dax. Denn auch der F.A.Z.-Index legte im Mai noch einmal um 3,6 Prozent gegenüber dem Vormonat zu. Auffällig ist dabei, dass Werte, die in den vergangenen Monaten erheblich unter Druck standen, die größten Zuwächse verzeichneten. Der Hersteller von Photovoltaik-Komponenten SMA Solar verbuchte mit einem Zuwachs von 37 Prozent den größten Monatsgewinn. Dabei dürfte dieses Jahr zur womöglich größten Herausforderung in der krisengeschüttelten Solarbranche werden. Und auch der Zweitplazierte im Monatsvergleich, der Leuchtdiodenhersteller Aixtron, hat mit einem äußerst schwierigen Marktumfeld zu kämpfen.

          Beide Unternehmen haben sich angesichts der angespannten Lage größere Programme zum Stellenabbau auferlegt. SMA Solar ist spezialisiert auf Wechselrichter, die in der Solartechnik zum Einsatz kommen, und hat sich zum Weltmarktführer aufgeschwungen. Doch die Branche leidet unter Förderkürzungen und dem Preisdruck, der von günstiger anbietenden Unternehmen in China ausgeht. Die Diskussion über Strafzölle auf chinesische Solarmodule verfolgt man aufmerksam und kritisch. Sie kann zusätzlichen Druck erzeugen, weil SMA Solar auch diese Anbieter beliefert. Deshalb hat sich das Unternehmen gegen die Initiative europäischer Solarhersteller gewandt, auf die diese von Brüssel verhängten Strafzölle zurückgehen.

          500 der etwas weniger als 6000 Stellen sollen gestrichen werden, kündigte der Vorstand von SMA Solar schon im vergangenen Herbst an. Mitte Mai hat das hessische Unternehmen seine Bilanz vorgelegt. Der Umsatz halbierte sich nahezu. Der Gewinn verringerte sich von 57 auf 9 Millionen Euro. Das wertete die Börse, wo die Aktie im November auch schon unter 16 Euro notierte, als einigermaßen glimpfliches Ergebnis. Seit Herbst hat sich der Kurs auf 26 Euro erholt. Dabei erweisen sich die Investoren als durchaus leidensfähig, denn die Dividende will der Vorstand nun um mehr als die Hälfte auf 60 Cent je Aktie kürzen.

          Aixtron in der Restrukturierung

          Auch der Leuchtdiodenhersteller Aixtron befindet sich mitten in der Restrukturierung. Der neue Vorstandsvorsitzende Martin Goetzeler will in der Zentrale in Aachen keinen Stein auf dem anderen lassen. Auch hier ist ein deutlicher Stellenabbau von einem Fünftel der Belegschaft angekündigt. Ende des Monats informierte der neue Unternehmenschef die Aktionäre darüber, dass ein großer Teil davon schon durch Abfindungsregelungen auf den Weg gebracht ist. Im ersten Quartal stand ein Verlust zu Buche. Doch auch hier hatten Analysten angesichts der schwächelnden Nachfrage in Asien durchaus mit Schlimmerem gerechnet. Der Kurszuwachs von 27 Prozent auf 14 Euro drückt den wachsenden Optimismus aus. Allerdings ist SMA Solar auch noch weit entfernt von den mehr als 33 Euro, die die Aktie noch im Dezember 2011 erreicht hatte.

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