Manifest der 185 : Selbstbewusstsein und Kalkül

185 Schauspielerinnen und Schauspieler outen sich als schwul, lesbisch, bi, queer, nicht-binär und trans. Sie kritisieren verschlossene Türen in Sendern und Theatern und fordern mehr Sichtbarkeit für ihre Geschichten ein. Ist die Klage berechtigt?
Über Scarlett Johansson erging 2018 ein Twittergewitter, als sie eine Figur spielen wollte, die nicht ihrer privaten sexuellen Orientierung entsprach. Sie zog zurück. Spätestens als sie argumentiert hatte, jeder solle doch jede Rolle spielen dürfen, war ihre Position – heterosexuelle Schauspielerin als Transmann – nicht mehr zu halten. Ulrike Folkerts, die sich vor mehr als zwanzig Jahren als lesbisch outete und zu den dienstältesten Kommissarinnen im deutschen Fernsehen gehört, würde Johanssons Argumentation sicherlich zustimmen. Denn von ihr ist gerade dieselbe Klage zu hören: „Es ist mein Beruf, alles zu spielen, alles! Ohne es zu sein!“ Aufgrund ihrer Homosexualität jedoch werde sie von Castern etwa als Mutter nicht besetzt. Dabei träume sie von Rollen wie Frances McDormand in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“.






