Zur Macht der Bilder : Erinnerung, sprich!

Wir leben in einer Welt der Bilder. Hätten sie ihren Ort nur in Archiven und Museen, würde die Kultur verarmen. Wandern sie dagegen ins persönliche und kollektive Gedächtnis, sieht die Sache anders aus.
Unsere eigenen Bilder sind flüchtiger, gleichsam unzuverlässiger und jedenfalls ungreifbarer, als jene Bilder, die uns in der Außenwelt oder im Netz entgegenkommen. Doch sind allein wir es, die ihnen beide Male eine Dauer und eine Bedeutung verleihen, die mit uns kommt und mit uns geht. Als die mündliche Überlieferung in Afrika noch die Regel war, pflegte man zu sagen, es brenne eine ganze Bibliothek und also auch ein Bilderarchiv ab, wenn ein alter Mensch stirbt. Inzwischen reden wir vom Verlust ganzer Kulturen, wenn sie ihren Traditionsort verlieren, der von intakten Grenzen geschützt war. Das gilt auch dort, wo Bibliotheken, Archive und Kinos existieren, aber zunehmend leer bleiben. Der Tod der kollektiven Erinnerung ist der Tod dieser Kulturen. Zweifellos wurde Erinnerung auch in Ritualen aufgedrängt, wo immer lokale Autoritäten und Institutionen darüber wachten. Doch machen wir uns von Kultur wie von kollektiver Erinnerung einen zu engen Begriff, wenn wir vergessen, dass Erinnerung sich zwischen einer Generation und der nächsten durch Individuen überträgt. Dabei handelt es sich um einen dynamischen Prozess, in dem sich Bilder verändern und auch einen neuen Sinn erhalten.
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