https://www.faz.net/-gqz-83ik6

Neues von Lena Meyer-Landrut : Elektronische Kristalle

  • -Aktualisiert am

Schwingt sich Lena in einen kristallklaren Pophimmel hinauf? Bild: dpa

Mit ihrem Album „Crystal Sky“ will sich Lena Meyer-Landrut musikalisch neu erfinden und ihre eigenen Vorlieben einbringen. Wie klingt Selbstverwirklichung in der Popwelt?

          Endlich wollte sie etwas machen, das sie selber gerne mag, endlich ihre eigenen musikalischen Ideen einbringen. Um diesen Vorsatz zu verwirklichen, hat sich Lena Meyer-Landrut prominente Unterstützung von Produzenten und Songwritern geholt. Und sich nach ihrem letzten Album „Stardust“ über zwei Jahre lang Zeit gelassen. „Crystal Sky“, seit vergangener Woche im Handel, entstand in Studios in Berlin, London und Los Angeles. Es ist elektronischer als die Vorgänger. Aber wird es dadurch überzeugender?

          In einem  Interview sagte die Sängerin, sie sei „voll das Mainstream-Opfer“ – und genau das hört man „Crystal Sky“ an. Herausgekommen sind vertraut klingende Popmelodien, mal unterlegt mit hymnischen Klängen, mal begleitet von elektronischen Rhythmen, die eben wie vieles klingen, das bereits im Radio läuft. Für sie selbst und ihre musikalische Entwicklung mag das trotzdem eine Neuausrichtung sein. Lena bemüht sich, die Harmlosigkeit und Süße früherer Lieder hinter sich zu lassen, die besonders „Satellite“, ihren Eurovision Song Contest-Hit, prägten, sich aber auch noch im Sternenstaub ihren letzten Albums „Stardust“ verfingen.

          „Crystal Sky“ bietet den Hörern jetzt ganz unterschiedliche musikalische Stilrichtungen an. „The Girl“, der erste Titel des neuen Albums, wirkt so, als müsse Lena die Schattenseite des Ruhms verarbeiten oder klarstellen, dass sie es trotz des Erfolgs nicht so leicht hat, wie man meinen könnte. „No one’s ready for the girl“ heißt es da. Gleichzeitig prägt der Song den Grundton des gesamten Albums. Stärker als früher zeigt Lena ihre melancholische Seite, gibt sich mal stark, mal verletzlich.

          Gitarrenmelodien wie bei „Sleep Now“ bilden ein Gegengewicht zu elektrolastigen Klängen. Aber warum singt sie einen schon knapp vor der Mitte des Albums in den Schlaf? Insgesamt wirkt die Platte zu überladen und wie berauscht vom Synthie-Sound. Braucht man wirklich gleichzeitig Hall-, Backgroundgesang und die Doppelung der gesungenen Melodie auf instrumentaler Ebene? Das mag an der einen oder anderen Stelle gut funktionieren, aber man hört sich schnell satt an dieser und ähnlichen Spielereien.

          Lenas neues Album „Crystal Sky“ erscheint am 15. 5.

          Ein echtes künstlerisches Risiko geht dieses Album nicht ein. Es klingt bekannt und insgesamt zu gefällig. Man hört dem Album an, dass es sich an Künstlerinnen wie Ariana Grande oder Ellie Goulding, die ebenfalls mit dem Produzententeam Biffco zusammenarbeitet, orientiert. Viele Hörer kann es trotzdem finden: Lena Meyer-Landruts Selbstverwirklichung ist absolut massentauglich.

          Individualität klingt anders – aber Selbstverwirklichung muss ja nicht in jedem Fall heißen, alles anders zu machen als alle anderen.

          Weitere Themen

          Weniger Kultur wagen?

          Kurs des Hessischen Rundfunks : Weniger Kultur wagen?

          Beim Hessischen Rundfunk soll das Radio-Kulturprogramm hr2 nach dem Willen der Senderführung verschwinden. Die Argumentation für diesen Schritt ist typisch. Sie zeugt von Verachtung – für die Kultur, die Mitarbeiter und die Beitragszahler.

          Topmeldungen

          Frühchen brauchen besonders intensive Betreuung durch Ärzte und Pflegekräfte.

          Muttermilch-Spenden : Ein Milliliter Lebenskraft

          Fridolin und Jonathan sind viel zu früh geboren. Auf der Intensivstation kämpfen sich die Frühchen in diese Welt – auch dank gespendeter Muttermilch.

          Fußball in Italien : Der Großangriff auf Juventus Turin

          In den vergangenen acht Jahren gelang es keiner Mannschaft mehr, den italienischen Serienmeister Juventus zu entthronen. Nun schickt sich ein früherer Juve-Trainer an das zu ändern – und seine Chancen stehen nicht schlecht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.