Album der Woche : Wenn einfach schwebt, was humpeln müsste

Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ ist ein Höhepunkt der Tastenkunst. Jetzt hat sich der Jazz-Virtuose Brad Mehldau mit einigen der Präludien und Fugen beschäftigt und eine erhellende Antwort gefunden.
Wenn Brad Mehldau Bach spielt, scheint ein Licht durch die rund dreihundert Jahre alten Präludien und Fugen: Manche Interpreten unserer Zeit legen am liebsten das Kristalline der Kompositionen frei, ihre Struktur, spielen sie spitz, schlank, strahlend. Andere geben ihnen Fülle und Gewicht, werden flächig und voll. Bei Mehldau ist es ein Schimmern. Das Organische Bachs steht bei ihm vor der meisterlichen Mechanik, vor der Vollkommenheit das Wissen darum, dass es menschengemacht ist. Im Präludium Nr. 3 Cis moll aus dem „Wohltemperierten Klavier“ nimmt sich der Pianist die Freiheit eines Ritardandos mitten im Stück, bevor er das Anfangsthema wieder aufgreift: ein diskreter Schwung, ein feines Atem- oder Lebenszeichen, ein Zwinkern.





