FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Salzburger Festspiele :
So schnell stirbt die Seele nicht

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Kein Ausweg, alles Abgrund: Szene aus „Le Passé“
Kein Ausweg, alles Abgrund: Szene aus „Le Passé“Simon Gosselin

Julien Gosselin zeigt bei den Salzburger Festspielen sein düsteres Text-Medley von Leonid Andrejew. Es ist ein entgrenzter Abend zwischen Staunen und Hoffen.

Die Angst vor dem Abgrund. Die Angst, einzubrechen. Die Angst, betrogen zu werden. Die Angst, sich zu erinnern. Die Angst vor der Zukunft. Die Angst vor der Vergangenheit. Die Angst vor den anderen. Die Angst vor sich selbst. Angst ist es, die den russischen Schriftsteller Leonid Andrejew zeit seines Lebens zum Schreiben treibt. Er, der 1871 in der Nähe von Moskau geboren wird und das Scheitern von zwei Revolutionen miterlebt, er, der von Maxim Gorki protegiert wird und kurzzeitig zum literarischen Star aufsteigt, bis ihn die Futuristen verdrängen, er, der 1919 mit achtundvierzig Jahren verarmt im finnischen Exil an einem Herzinfarkt stirbt, er hat in seinem Werk das Tragische in die Gestalt des Aussichtslosen überführt. Andrejews Texte sind gekennzeichnet von einem düsteren Symbolismus, einer alptraumartigen Bilderwelt und einem schneidenden Ton bitterer Verzweiflung. Wegen seiner spukhaften Erzählweise stellte man Andrejew vor allem in der englischsprachigen Welt als russischen Edgar Allan Poe vor. Wenn man seine Texte heute liest, dann wirken sie eher wie eine Mischung aus DeLillo und Houellebecq.

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