Sophie Rois in Berlin : Die große Eigenartige

Eine, die selbst niemanden braucht, aber von allen geliebt wird: Sophie Rois sitzt im Deutschen Theater Berlin am Teetisch und fährt „nach Marlen Haushofer“ gegen die Wand.
Eine volle Stunde mit Sophie Rois. Das ist das große Privileg der Theaterhauptstadt Berlin, dass hier die Wege zu den Heroen und Diven der Schauspielkunst so kurz sind. Denn auch, wenn hier und da betriebsintern davon geraunt wird, in Zukunft alles ganz anders machen zu wollen am Theater, mit mehr VR-Brillen und weniger Stars – die Zuschauer strömen nach wie vor zu ihren Lieblingen. Und reisen dafür mitunter von weit an. Für Sophie Rois lohnt sich jede Anfahrt. Mit kariertem Rock und Kopftuch sitzt sie am Anfang ihres neuen Soloabends „nach dem Roman ,Die Wand‘ von Marlen Haushofer“ am Teetischchen und raucht mit gespreizten Fingern die tausendneunhundertneunundneuzigste Zigarette. Sie ist Haushofers einsame Frau im Wald, die sich nach einer Wanderung in die Berge plötzlich hinter einer unsichtbaren Wand wiederfindet, nur in Gesellschaft von einer Kuh, einem Hund und einer Katze. „Etwas scheint hier möglich zu sein“, stellt sie beim Blick ins menschenleere Tal zunächst zufrieden fest und probt den absichtslosen Gang über die Felder.





