Stadttheater der Gegenwart : Ein anderes Bühnenleben ist möglich

Bochum schlägt ein neues Theaterkapitel auf: Johan Simons eröffnet das Schauspielhaus mit einer Adaption von Feuchtwangers „Jüdin von Toledo“, in den Kammerspielen rufen dreizehn Mädchen die Welt zur Ordnung.
So, hier ist es. Das Stadttheater unserer Zeit. Es steht in Bochum, der alten Ruhrpott-Provinz, nicht in Berlin, Frankfurt oder Wien. Im fahlbeleuchteten Abseits findet sich wie von selbst, was bei grellem Metropolenglanz mit größter Anstrengung vergeblich gesucht wird: ein Theater der Gegenwart, eine Bühne, die wieder Versprechungen macht, und ein Spiel, so lustvoll und leicht, dass einem aller betriebliche Pessimismus, alle gewohnte Klage peinlich wird. Schon von außen wirkt das restaurierte Theatergebäude offenherzig und selbstbewusst. An der roten Klinkerfassade entlangschlendernd, sieht man durch hellerleuchtete Fenster immer wieder ins Foyer, sieht, wie sich die Premierenbesucher unter den berühmten Bochumer „Tulpenlampen“ begrüßen, sieht die alten Rauchersalons mit ihren Nierentischen, die Bars und Garderoben, die leuchtenden Toilettenanzeigen. Das Haus ist voller erwartungsfroher Gäste an diesem Abend, die Theaterstadt Bochum hat große Lust auf einen Neuanfang, auf einen neuen Intendanten.





