Schnittkes Filmmusiken auf CD : Wie Erinnerungen an Kindertage

Der Dirigent Frank Strobel und der Verlag Sikorski entdecken Stück für Stück einen Schatz: die Musik, die Alfred Schnittke für sechzig Filme schrieb. Jetzt ist die fünfte CD erschienen.
Wer die Musik von Alfred Schnittke wirklich verstehen will, der muss seine Filmmusik kennen. Das sagt Frank Strobel, hierzulande der wohl renommierteste Dirigent im Bereich der Filmmusik. Das sagte vor allem aber Schnittke selbst im Gespräch mit Strobel in den Neunzigerjahren: Seine Kompositionstechnik, seinen Stil der „Polystilistik“ mit Montagen, Collagen, Überblendungen und Schnitten, habe er eigentlich am Film entwickelt.
So klar die Aussage, so erstaunlich, dass dieser Kern von Schnittkes Schaffen erst allmählich entdeckt wird. Zu mehr als sechzig Filmen hat der Komponist Musik geschrieben, zwanzig davon hat Frank Strobel mittlerweile aus dem Archiv des staatlichen Symphonieorchesters für Kinematographie in Moskau gehoben, für den Konzertgebrauch bearbeitet und auf CD eingespielt. Zu überwinden gibt es dabei nicht nur die oft empfundene Skepsis gegen Filmmusik generell. Nach wie vor gilt sie als Anhängsel, das es mit der „ernsten“ Musik im Konzertsaal nicht aufnehmen könne. In den Ländern des früheren Ostblocks sah man das gleichwohl anders: Dmitri Schostakowitsch, Sergej Prokofjew und Aram Chatschaturjan bedienten wie Schnittke die Filmmusik als eigene Kunstform.
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