Deutsches Theater Berlin : Da braut sich was zusammen

Milieu versus Moral: Das Deutsche Theater Berlin zeigt Jan Bosses „Hauptmann von Köpenick“ und eine Uraufführung der Bachmann-Preisträgers Ferdinand Schmalz.
In der Berliner Kantstraße, der rüpeligen kleinen Schwester des Kurfürstendamms, gab es vierzig Jahre lang ein Café: das Kant-Café. Auf abgewetzten Lederbänken, an wackeligen Holztischen konnte man hier für fünf Euro ausführlich frühstücken oder einen Erbseneintopf für 2,80 Euro bekommen. Das Lokal war immer gut besucht, Rentner lasen Zeitungen, Studenten lernten gemeinsam, Sozialempfänger verabredeten sich zu mutmachenden Gesprächen. Anfang des Jahres wurde dem Betreiber gekündigt. Inzwischen hat ein vietnamesischer Gastronom die Räume übernommen und hier sein zehntes Berliner Restaurant eröffnet: „Funky Fish“ heißt es und serviert spanische Fischgerichte mit einem japanischen Twist. Eine bekannte Designerin hat den Raum neu ausgestattet: freigelegte Kassettendecke, darunter ein Labyrinth aus blauen und roten Neonröhren, rechteckige Regalelemente aus eloxiertem Metall. Man sitzt auf ausklappbaren Holzschemeln an Hochtischen und isst Gambas à Portuguesa für 29 Euro.





