„Hinterland" im Kino : Seele als expressionistische Landschaft

Der Thriller „Hinterland“ schickt einen vom Krieg traumatisierten Ermittler ins Wien der Zwanzigerjahre. Regisseur Stefan Ruzowitzky versucht ein mutiges Stil-Experiment.
Filmemacher außerhalb einer überschaubaren Szene wagen sich selten an strenge formale Experimente, und so sprengt der Thriller „Hinterland“ von Stefan Ruzowitzky gleich mit den ersten Bildern die Kino-Sehgewohnheiten. Männer haben sich im Laderaum eines Schiffes versammelt, weil einer von ihnen stirbt. Die Mäntel, die sie tragen, sind ihnen vom Hungern zu groß geworden. Sie haben den Ersten Weltkrieg überlebt, doch er hat seine Spuren hinterlassen. Als sie den Toten an Deck tragen wollen, scheinen sich ihnen die Planken entgegenzustemmen. Was als leichte Irritation beginnt – steht die Kamera schräg? Soll das Schiff wie eine Theaterbühne wirken? –, stellt sich spätestens bei der Ankunft der Männer in Wien als visuelles Konzept heraus. Gebäudelinien widerstreben der Physik, biegen sich wie zackige Kubismus-Albträume über Straßenzüge. Kurzum, die Welt der Kriegsheimkehrer ist ins Wanken geraten, sie erkennen ihre alte Heimat nicht mehr wieder, und es ist nicht einmal sicher, ob sie sich selbst wiedererkennen.





