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Österreicher Ergebnisse : Wiener Spitzen

  • -Aktualisiert am

Die österreichischen Auktionshäuser können mit dem ersten Halbjahr zufrieden sein. Im Dorotheum, im Kinsky und bei Hassfurther bewährten sich die Italiener und die einheimischen Künstler. Ganz vorne aber steht ein Uli.

          Das Spitzenlos im ersten Halbjahr 2018 bei den Auktionen in Österreich lässt aufhorchen: Kein Alter Meister und auch kein Zeitgenosse führt die Parade der teuersten Werke an, sondern erstmals ein Objekt der Sparte Stammeskunst. Im Dorotheum wurden zwölf Stücke aus der hochkarätigen Kollektion des Sammlers Carlo Monzino angeboten, die allesamt zu vier- und fünfstelligen Summen Absatz fanden. Eine Überraschung bot jedoch das Toplos, der Monzino-Uli „Lembankakat Mbaru“, eine Holzskulptur von der Insel Neuirland in Papua-Neuguinea: Sie wurde von einem Bieter am Telefon von ihrem Rufpreis bei 150.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro hochgekämpft.

          Ulis gehören zu den gefragtesten Objekten der pazifischen Kunst. Die 81 Zentimeter hohe Kultfigur, die sowohl weibliche wie auch männliche Körpermerkmale aufweist, kam 1909 während der Deutschen Marine-Expedition nach Europa. Diese ausdrucksstarken Statuen beeinflussten auch den deutschen Expressionismus. Für den Stammeskunst-Experten Joris Visser ist der Preis ein toller Erfolg in der seit sieben Jahren im Dorotheum existierenden Sparte. Insgesamt konnten dort 34 Prozent der 82 mittelpreisigen Lose abgesetzt werden. Eine weitere Abteilung, die im Dorotheum zuletzt an Fahrt gewonnen hat, stellen die Oldtimer dar: Ein Mercedes-Benz 300SL Roadster von 1960 erzielte 800.000 Euro (Taxe 850.000/1 Million), und ein Maserati Mistral Spyder3700 von 1966 ging für 59.0000 Euro (550.000/670.000) weg.

          Kinsky steigt im sechsstelligen Bereich ein

          Erst auf den Plätzen vier und fünf des Top-Ten-Rankings folgt die im Wiener Dorotheum so gefragte Mailänder Avantgarde. An erster Stelle der hervorragend verlaufenen Zeitgenossen-Auktion im Juni rangiert abermals Lucio Fontana: Sein mit Wasserfarbe in fluoreszierendem Pink gemaltes „Concetto Spaziale, Attesa“ mit einem einzigen Schlitz, entstanden 1964/65, erzielte 450.000 Euro (480.000/650.000); eine größere Leinwand in Flaschengrün von 1968 wurde für 440.000 Euro (400.000/600.000) zugeschlagen. Aus dem Werk-Fundus des Künstlers und Sammlers Gianni Colombo stammt das 172 Zentimeter breite Querformat „Ohne Titel (Escritura)“ seines venezolanischen Kollegen Jesús Rafael Soto. Bei dieser Arbeit von 1974 sorgen über der Leinwand fixierte Drähte und Nylonsaiten für bewegte visuelle Effekte: Das dynamische Op-Art-Werk war sehr gefragt und erst für 400.000 Euro (240.000/320.000) zu haben.

          Für den Informel-Meister Emilio Vedova konnte das Dorotheum 2017 eine neue Bestmarke setzen, und auch in diesem Frühjahr wurden die Erwartungen nicht enttäuscht, als Vedovas Gemälde „Per una protesta Nr.6“ von 1953 bei 350.000 Euro (280.000/380.000) den Besitzer wechselte. Vom abstrakten Expressionisten Philip Guston gelangte eine 1957 mit Öl auf Papier auf Holzfaserplatte gemalte Abstraktion zum Aufruf, bei der die bunte Farbpalette die Ränder ausspart. Dieses Werk der „Übergangsphase“ im Œuvre des Künstlers spielte ebenfalls 350.000 Euro (300.000/400.000) ein.

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