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Auktion bei Van Ham : Sweet Dreams, Baby!

  • -Aktualisiert am

Van Hams „Modern Week“ in Köln glänzt mit einer bedeutenden Privatsammlung. Darunter ist ein kompletter, zehnteiliger Satz Blumen aus Andy Warhols „Flowers“-Serie.

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          Den Auftakt zur „Modern Week“ bei Van Ham macht die Auktion mit Moderner Kunst am 16. Juni in Köln, mit einem „Weidenden Schimmel im Mondlicht“ von Paula Modersohn-Becker als Spitze unter den 85 angebotenen Losen: Das 50 mal 56 Zentimeter messende Öltempera-Bild entstand 1901, kurz nach dem ersten Paris-Aufenthalt der Künstlerin, und befand sich einst im Besitz von Martha Vogeler, einer guten Freundin von Modersohn-Becker und ersten Ehefrau von Heinrich Vogeler; nun soll es 250.000 bis 350.000 Euro erlösen. Sechs Jahre später hält der passionierte Reiter Max Liebermann auf seinem 65 mal 71 Zentimeter großen Ölgemälde ein Pferd samt Jungen am Strand fest (Taxe 200.000/300.000 Euro). Hinter Lovis Corinths 1920 entstandener „Odaliske“ verbirgt sich wie so oft seine Ehefrau Charlotte Berend-Corinth, die dem Künstler in mehr als achtzig Gemälden Modell stand (200.000/300.000). Von Alexej Jawlensky kommt ein hübsches Stillleben mit Geranien vor einer blauen Wand aus dem Jahr 1907 zum Aufruf, das mit einer internationalen Ausstellungshistorie und Stationen wie dem Stedelijk Museum in Amsterdam aufwartet (100.000/120.000). Wassily Kandinskys 48 mal 33 Zentimeter messendes, überwiegend rosafarbenes Aquarell mit dem humorvollen Titel „Das Kleine Blau“ von 1924 geht mit einer Erwartung von 80.000 bis 120.000 Euro an den Start. Im Jahr zuvor schuf Gerhard Marcks seine 23 Zentimeter hohe Bronze „Läufergruppe“ (Auflage 3; 40.000/60.000). Mit Marktfrische kann Marc Chagalls 1967 mit 38 Lithografien gestaltetes Buch „Cirque“ aufwarten (Auflage 250; 70.000/90.000). Und von Cyril Power, dem Mitbegründer der Grosvenor School, die sich im London der zwanziger und dreißiger Jahre zu einer führenden Kraft in der Produktion und Förderung moderner Druckgrafik entwickelte, stammt der schöne Farblinolschnitt „The Sunshine Roof“: Das 27 mal 33 Zentimeter große Blatt setzt dem Green Line Bus von London nach Hertford ein Denkmal, der von Powers Sohn gefahren wird (Auflage 60; 30.000/50.000).

          Das Spitzenlos unter den 287 Angeboten mit zeitgenössischer Kunst ist Günther Ueckers marktfrische „Lichtscheibe für Lutz Dresen“, die der Künstler eigens für den bekannten Düsseldorfer Sammler und engen Freund 1994 anfertigte: Hunderte von weiß gefärbten Nägeln werden auf einer sich drehenden Holzscheibe von zwei Lichtquellen angestrahlt und bilden einen hypnotischen Tanz aus Licht und Schatten (200.000/300.000). Günther Förg liefert ein unbetiteltes dreiteiliges Werk mit monochromer Flächenmalerei auf Blei aus dem Jahr 1986, das 1987 im Museum Haus Lange in Krefeld ausgestellt wurde und nun aus einer nordrhein-westfälischen Privatsammlung angeboten wird (80.000/120.000). Von Roy Lichtenstein kommt die 95 mal siebzig Zentimeter große Farbserigraphie „Sweet Dreams, Baby!“ (Auflage 200; 80.000/120.000). Jean-Pierre Cassigneul malte 1968 eine nackte Frau im blauen Zimmer (60.000/80.000); und Adrian Ghenie lässt auf seinem kleinen unbetitelten Bild von 2002 in altmeisterlicher Manier einen Engel einen Karren schieben (50.000/70.000).

          Das Highlight von Van Hams „Modern Week“ ist zweifelsohne die Versteigerung der Sammlung von Helga und Walther Lauffs, die ebenfalls am 16. Juni stattfindet. Das Paar aus Unkel am Rhein wurde seit 1968 beim Aufbau seiner Kollektion von Paul Wember, dem damaligen Direktor des Kaiser-Wilhelm-Museums in Krefeld, unterstützt, der schon früh die überragende Bedeutung von Pop-Art, Minimalismus und Konzeptkunst erkannte und förderte. Unter den 71 offerierten Losen sticht besonders der komplette, zehnteilige Satz von Andy Warhols leuchtender „Flowers“-Serie aus dem Jahr 1970 hervor. Die je 91 mal 91 Zentimeter großen Farbserigraphien sind signiert und nummeriert; die Schätzung liegt bei 800.000 bis eine Million Euro (Auflage 250). Tony Craggs monumentale, mehr als drei Meter hohe Bronze „Ivy“ von 2007 stand jahrelang im Garten der Familie (250.000/350.000). Im selben Jahr schuf Louise Bourgeois ihre sechsteilige Serie „The Good Mother“: Die pinkfarbenen Tuschezeichnungen zeigen verschiedene Frauenkörper mit je einem Kleinkind, das die Arme suchend nach der Mutter ausstreckt (70.000/90.000). Von Gerhard Richter kommt ein farbintensives Aquarell aus dem Jahr 1984 zum Aufruf (120.000/180.000); drei Unikat-Bronzen „Tanzende“ von Magdalena Abakanowicz aus dem Jahr 2008 sind kopflos unterwegs (150.000/200.000). Die Versteigerungen sollen zusammen 7,8 Millionen Euro einspielen.

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