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Art Cologne : Alles reguliert

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Wie steht es um die Kölner Kunstmesse? Daniel Hug, der Direktor der Art Cologne, glaubt weiter an Kunstmessen und setzt auf regionale Präsenz.

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          Im Zuge der Pandemie muss sich ein alter Typus von Warenhandel auch für die Kunst neu erfinden – die „Präsenzmesse“: durch die Hallen flanieren, Kunst betrachten, Leute treffen, angebotene Werke mustern, abends Party. All dies soll, mit Ausnahme der Partys vielleicht, auch weiterhin möglich sein. Aber doch ganz anders. Denn auch eine Kunstmesse kann auf absehbare Zeit, unter nicht absehbaren Corona-Bedingungen, nur bei äußerster Transparenz am Leben gehalten werden.

          Das gilt auch für die Art Cologne, die vom April in den Herbst dieses Jahres verschoben worden ist und nun vom 18. bis zum 22. November stattfinden soll. Ihren Ablauf kann sich der Direktor Daniel Hug so vorstellen: Die Tickets werden in limitierter Zahl online verkauft, und den registrierten Besuchern werden festgelegte „Time Slots“ zugewiesen. Dazu kommen der obligatorische Gebrauch von Mund-Nasen-Schutz und extrabreite Korridore, die nur in einer Richtung zu frequentieren sind. Die ersten beiden Tage bleiben exklusiv den VIP vorbehalten: „Wir werden regulieren, wie, wann und unter welchen Umständen die Besucher auf der Messe die Kunst anschauen werden“, schreibt Hug in einem Beitrag für das Online-Magazin „Artnet“. Eigentlich wäre da ein Laufband, wie es auf den Flughäfen von einem Gate zum nächsten führt, die sicherste Lösung: einchecken und dann auf einer großen Einbahnstraße durch die Hallen geleitet werden.

          Die Frage nach dem Sinn einer Kunstmesse überhaupt

          Im Jahr 2019 hat die Art Basel in Basel 95 000 Besucher gezählt, die Fiac in Paris 75 000 und die Art Cologne immerhin knapp 60 000 Flaneure. Vergleichbare Publikumszahlen sind derzeit, selbst unter günstigsten Corona-Vorzeichen, undenkbar: Das gilt für die Art Basel, die nun im September anberaumt ist, für die Fiac, die im Oktober stattfinden soll, und für die Art Cologne im November. Und weil Kunstwerke eben doch keine Handelswaren sind wie Industriegüter, sondern eben genau ein Medium der Kommunikation, stellt sich gegenwärtig sehr wohl die Frage nach dem Sinn einer Kunstmesse überhaupt.

          Im Gespräch mit dieser Zeitung geht Daniel Hug davon aus, dass kaum mehr als 30 000 Besucher die 54. Ausgabe der Traditionsmesse werden sehen können, also die Hälfte des Vorjahrs. Diesen Aderlass hält er für verschmerzbar: Letztlich gehe es um die rund 5000 potentiellen Käufer, so Hug, die in ihrer großen Mehrheit aus Europa stammten. Tatsächlich braucht der Kölner Kunstmarkt nicht zu befürchten, was Basel schon eher blühen könnte, dass nämlich die besonders kaufkräftige Klientel aus Amerika und Asien zu Hause bleibt.

          Bestätigt sieht sich Hug durch bislang rund 175 Zusagen von Galeristen, bei fünfzehn Absagen. Dabei räumt er schon ein, dass sich eine Kunstmesse unter den zu erwartenden restriktiven Bedingungen einigermaßen anders anfühlen wird als gewohnt. Und es gibt sicher nicht wenige Galeristen, die eine Messe in diesem Jahr nicht für angebracht halten, aber trotzdem dem Herdentrieb folgen und mitmachen. Wegbleiben können sie in Köln auch dann noch, wenn sie bereits zugesagt haben, bekräftigt Hug: Bis zur endgültigen Aufplanung der Stände können die Aussteller ihre Teilnahme – ohne Stornokosten – widerrufen. Dass es dazu in größerer Zahl kommen werde, befürchtet er nicht. Weshalb sich ihm die naheliegende Frage, wer für mögliche Ausfälle finanziell aufkommen würde, nicht stelle, sagt er. In den kommenden Wochen will er das Gespräch mit den Galeristen wieder aufnehmen. Die Möglichkeit eines „Online-Viewing-Rooms“ recherchiere er noch; die bislang bei anderen Messen erprobten Modelle überzeugen ihn nicht.

          Auch unter restriktiven Umständen hält Daniel Hug die Art Cologne für „total machbar“. Glaubhaft engagiert er sich damit für einen Markt, dessen nähere Zukunft er mit plausiblen Gründen in der Regionalisierung sieht. Klar ist er sich auch darüber: „Korrekturen auf dem Markt sind unvermeidbar, und sie sind auch gesund.“

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