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Bayerische Landesschau Ansbach : Gegen harde Glischees

Wirkt japanisch oder helvetisch, ist aber eine typische Fastnachtsmaske aus der fränkischen Rhön, um 1960 geschnitzt und bemalt. Bild: Rhönmuseum

Entschieden dezentral: Die diesjährige Bayerische Landesausstellung in Ansbach fragt, was eigentlich typisch fränkisch sei. Ist es die Unfähigkeit zum harten T, die Bratwurst, Fachwerk, Wein oder Bier?

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          Franconia est omnis divisa in partes tres, ganz Franken ist in drei Teile geteilt. Doch würden die Bewohner der drei Landesteile Ober-, Mittel- und Unterfranken allzu große Nähe gerade in folgenden scheinbaren Gemeinsamkeiten weit von sich weisen: im Dialekt (die „Bätzla“, „Moggl“ und „Stuusl“ als Tannenzapfen oder der „Abfl“ klingen auf der dialektalen Landkarte der drei durchaus sehr unterschiedlich), Konfession (Mittelfranken überwiegend evangelisch, Oberfranken mit dem fränkischen Rom Bamberg im Zentrum gegen die protestantischen Bollwerke Kronach, Coburg und Kulmbach gemischt konfessionell, während Unterfranken überwiegend katholisch geprägt ist), schon gar in Sachen Bratwurst (mit oder ohne Majoran, auf Kiefernzapfen geröstet wie in Coburg mit 31 Zentimeter Länge oder mit sieben Zentimetern bewusst kurz gehalten als „Drei im Weggla“ in Nürnberg, die schon Dürer im dortigen Bratwursthäusle bei Sankt Sebald mit großem Genuss verzehrt haben soll) oder Mentalität (es macht bis heute einen Unterschied, ob die Betreffenden aus einer der vielen fränkischen Reichsstädte oder einem „preußischen“, weil hohenzollerschen Markgrafentum wie Ansbach oder Bayreuth oder einem geistlichen Hochstift und später dann Fürstbistum wie Würzburg-Mainz stammen).

          Fränkischer Zaubertrank Silvaner

          Stefan Trinks
          Redakteur im Feuilleton.

          Zu den jeweiligen Nachbarn befragt, hört man nicht ohne Grund oft den Satz: „Man soll Gott für alles danken, nur nicht für die (hier wahlweise einzusetzen) Mittelfranken, Oberfranken oder Unterfranken.“ Es ist verzwickt, und wenn Caesar Franken wie Gallien je erobert hätte, hätte er als alle drei Landesteile verbindendes Element wohl lediglich ein Trinkgefäß ausgemacht, das verdächtig Asterixens Zaubertrank-Behälter am Gürtel ähnelt, dem „Bocksbeutel“, aus dem stärkender Silvaner vom Würzburger Stein, Randersackerer Ewig Leben oder Escherndorfer Lump genossen würde. Aber selbst das idiosynkratische Weingefäß aus grünem Glas verbindet nicht, sondern trennt in zwei weitere Teile, nämlich Wein- und Bierfranken, wobei die Grenze hier mitten durch Unterfranken hinter der Schweinfurter Peters­stirn, von deren Rebhängen Goethe und sein Weimarer Haushalt ausweislich der Rechnungen fünf Liter pro Tag zu sich nahmen, und quer durch Mittelfranken verläuft. Von möglicherweise „gesamtfränkischen“ Fachwerk gar nicht zu reden, denn was im „Schnatterloch“ des unterfränkischen Städtchens Miltenberg pittoresk an Andreaskreuzen und Feuerböcken ins Holz geschnitzt wurde, kann allemal – obwohl in den Formen stark unterschieden – mit dem mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber mithalten, wobei außergewöhnliches Fachwerk in Deutschland ohnehin kein hinreichendes Alleinstellungsmerkmal ist (obgleich die in alle Welt verkauften Playmobil-Häuschen aus Zirndorf ihren Vorbildern um Nürnberg herum abgeguckt sind).

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