Eltern-Kolumne „Schlaflos“ : Warum wir auf Kinder keine Rücksicht nehmen

Auch Eltern wünschen sich, dass ihr Kind auf langen Zugfahrten ruhig auf seinem Platz sitzt: Ein Reisebericht über fordernde Mitreisende, helfende Hände und einen beflissenen Schaffner.
Freitagnachmittag, der letzte Tag vor den Ferien. Ich hole meine Tochter aus der Kita ab, morgen fahren wir in den Urlaub. Es geht in die Bretagne, und wir freuen uns darauf, unsere Tochter zum ersten Mal am Strand und im Meer spielen zu sehen. Sie wird es lieben! Als umweltbewusste, woke Studenten fahren wir selbstverständlich mit dem Zug und freuen uns auf 14 Stunden Fahrt. Nein, das ist natürlich Quatsch. Wir besitzen schlichtweg kein Auto, Fliegen ist zu teuer, und dann bleibt nur der Zug. Das erfordert größere und kleinere Opfer beim Packen. Unter anderem meine siebenbändige Gesamtausgabe der „Suche nach der verlorenen Zeit“, meinen Fußball und mein selbst fermentiertes Kimchi kann ich nicht mitnehmen. Wehmütig blicke ich auf meinen Haufen Zurückgelassenes, woraufhin meine Freundin mich darauf aufmerksam macht, dass ich im letzten Urlaub nicht über die ersten 200 Seiten des ersten Bandes hinausgekommen bin.
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