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Gescheitertes „DAU“-Projekt : Eine Wunde, die in der Zukunft liegt

  • -Aktualisiert am

Alles auf Anfang? Die DAU-Aktion hätte den Berliner Mauerbau vom 13. August 1961 nicht einfach wiederholt, sondern die damit verbundenen Gefühle wiedererweckt. Bild: dpa

Das Mauer-Kunstprojekt von Ilya Khrzhanovsky wird nach der Absage der Berliner Behörden nicht stattfinden. Damit verspielt die Hauptstadt eine einmalige Chance. Ein Gastbeitrag.

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          Der Brief, mit dem das Berliner Amt für Verkehrslenkung das Kunstprojekt DAU des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky wegen Sicherheitsbedenken abgesagt hat, ist formal betrachtet keine Absage. Er sagt vielmehr, dass, egal, wie viel noch getan wird, es nie ausreicht, damit das Projekt genehmigt wird. Gegen diese Form der Absage kann niemand Widerspruch einlegen. Man kann weiterarbeiten, aber innerlich wird sich das Projekt, so vermute ich, darüber entzweien. Ich spreche in eigener Sache, denn gemeinsam mit vielen Partnern wirke ich seit Monaten für das Zustandekommen von DAU. Aber ganz gleich, ob das Projekt stattfindet oder nicht – es wirkt bereits jetzt, indem es die Selbstbegegnung unserer Gesellschaft in Khrzhanovskys Werk in unerwarteter Weise filtert und klärt.

          Seit dreizehn Jahren arbeitet ein Team von mehr als hundert Menschen an einer ungewöhnlichen Form von Gesamtkunstwerk, die in Berlin ihre Weltpremiere erleben sollte. Der ihm zugrundeliegende Filmzyklus entstand in einem riesigen Set am Stadtrand von Charkiw in der Ukraine, wo bis zu vierhundert Menschen in der Rekonstruktion eines wissenschaftlichen Instituts gemeinsam lebten. Sie waren keine Schauspieler, sondern echte Wissenschaftler, Ingenieure, Wachleute oder Köche. Statt eines Drehbuchs gab es nur Verhaltensregeln und ein Environment, das die Sowjetunion zwischen 1938 und 1968 zeigte oder besser: war. Je nachdem, wie sich das Leben dieser Gemeinschaft und ihrer zum Teil prominenten Gäste entwickelte, filmte der deutsche Kameramann Jürgen Jürges mit seiner 35-mm-Kamera die Geschehnisse vor Ort – an insgesamt 175 Tagen.

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