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Richter über Donnersmarck : Augen zu

  • -Aktualisiert am

Wo Augenwürmer bohren, da entstehen womöglich keine besonders guten Filme: Szene aus „Werk ohne Autor“. Bild: Pergamon Film/Wiedemann & Berg Film

Den Film, der sich lose an sein Leben anlehnt, hätte der Maler Gerhard Richter schon gerne gesehen. Doch er hat die Rechnung ohne den Regisseur gemacht.

          Kunst und der damit verbundene Schaffensprozess sind für Florian Henckel von Donnersmarck entscheidende Themen seines Lebens. So steht es im Presseheft zu seinem eben angelaufenen Film „Werk ohne Autor“. Wir zitieren es hier als sozusagen amtliches Schriftstück, hinter das niemand zurückkann, selbst Henckel von Donnersmarck nicht, sollte er es sich anders überlegen.

          Besondere Inspiration erfuhr der Regisseur, auch das steht dort zu lesen, durch die Bilder Gerhard Richters, denen er „zu wichtigen Momenten“ bei ihm „wichtigen Freunden“ immer wieder begegnete. Henckel von Donnersmarcks Freunde, so dürfen wir schließen, haben Richters bei sich zu Hause hängen, und er möchte, dass wir das wissen. Vielleicht, damit wir, die wir keine Richters zu Hause haben, ahnen können, wie diese Richterbilder, als seien sie „starke Melodien, die einem immer weiter im Kopf herumgeistern“, auf ihn wirkten: „Wie Ohrwürmer. Augenwürmer halt.“

          Die DVD kam nicht

          Aus diesen Augenwürmern in Verbindung mit Deutschland und seiner wechselvollen Geschichte wurde „Werk ohne Autor“, was vielleicht zu erklären hilft, wie der Film aussieht. Es handelt sich bei ihm übrigens keineswegs um einen „Schlüsselroman“, wobei ja klar sein sollte, dass im Kino kein Roman, vor allem kein Schlüsselroman zu erwarten ist. Aber egal. Obwohl also Gerhard Richter im Film Kurt Barnert heißt, sind die Parallelen in Leben und Malweise so unübersehbar wie Hut und Hasenpfote als Erkennungszeichen für Beuys, obwohl der hier van Verten genannt wird.

          Gerhard Richter vor einem Augenwurm.

          Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Richter gefragt werden würde, wie er den Film denn fände. Man kann seine Antwort nicht anders als griesgrämig nennen: „Zu reißerisch“ sei ihm das Ganze, von dem er allerdings nur Teile gesehen habe. Nämlich den Trailer! Reißerisch zu sein, darum geht es doch in einem Trailer gerade. Auch wer von „Werk ohne Autor“ nichts hält, muss deshalb Einspruch erheben. Weil Richter 86 Jahre alt ist und nicht lange im Kino sitzen könne, so sagte er der Deutschen Presse-Agentur, hätte er um eine DVD gebeten. Die liefe dann zwar auch für 188 Minuten, aber vielleicht schaut Richter zu Hause ja im Liegen oder in Häppchen oder von der Staffelei aus. Die DVD kam aber nicht, wie er bemängelt.

          Kein Wunder. Sie fragen doch einen Filmregisseur, der gerade nach einem „großen Wurf“ (dem eigenen Drehbuch) ein „großes Projekt“, aus „großer Kraft“ geschaffen, ins Kino bringt, nicht einfach nach einer DVD. Sie würden doch auch Richter nicht fragen, ob er Ihnen mal eine Kunstpostkarte zeigt, wenn Sie ein Bild sehen wollen. Oder doch? Jedenfalls hat der teure Maler dem Film vermutlich den Rest gegeben. Aus Rache für die „Augenwürmer“?

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

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