Kinofilm „Die Unschuld“ : Zeiterfassung mitten im Feuer

Hirokazu Kore-edas Kinofilm „Die Unschuld“ leuchtet menschliche Abgründe aus.
Wer eine Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen will, braucht einen guten Ausgangspunkt, der die zeitliche Ordnung markiert und den Ablauf des Geschehens sortieren kann. Der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda zündet in „Die Unschuld“ gleich mit den ersten Bildern eine Fackel an, die sich den Zuschauern in die Sinne brennt: Ein Hochhaus lodert, die Flammen züngeln bis zum Dach, Feuerwehrsirenen durchschneiden die Nacht. Drei Mal wird die Erzählung zu diesem Inferno, diesem Erzählanker zurückkehren, und immer wechselt danach die Sicht zu einer neuen Figur. Den Anfang macht der Junge Minato, der mit seiner Mutter vom Balkon aus das Feuer in der Nachbarschaft beobachtet. Die junge Mutter ist alleinerziehend, der Vater gestorben. Und Minato hat Probleme in der Schule. Als er mit einer blutigen Nase nach Hause kommt, vermutet die Mutter, dass ein Lehrer ihn misshandelt habe, und will dafür von der Schuldirektorin eine Entschuldigung.
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