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Deutsche Bank : Trau keinem über dreißig

Man hat sich bei der Deutschen Bank „committed“ - und zwar zum „clean desk“. Da heißt es abends aufräumen, damit ein anderer Mitarbeiter ungehindert loslegen kann Bild: Röth, Frank

Schöne neue Arbeitswelt: Die Deutsche Bank nennt ihren Doppelturm in Frankfurt jetzt „Greentowers“ und arbeitet energieeffizient in einem der modernsten Bürogebäude der Welt. Eine Sitzprobe.

          Hochhäuser haben ihr Schicksal, und das ereilt sie früh. Eine Lebenserwartung von fünfundzwanzig bis dreißig Jahren ist Durchschnittswert, danach muss saniert werden. Diesem Schicksal ist auch der Doppelturm der Deutschen Bank in Frankfurt nicht entgangen. 2004, dreißig Jahre nach dem Erstbezug, zwang eine Sonderbrandschau zu Nachbesserungen. Abriss und Neubau wäre unökologischer und auch mindestens doppelt so teuer gekommen als die nun aufgewendeten gut zweihundert Millionen Euro. Man entschied sich für das große Besteck: Auszug aller Mitarbeiter, radikaler Trimm auf Energieeffizienz. Nach mehr als dreijähriger Umbauzeit sind Anfang des Jahres die komplett erneuerten Türme bezogen worden, demnächst wird die erste Jahresbilanz Erkenntnisse liefern, wie sich die Auffrischung bewährt. Die Aussichten sind gut.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Taunusanlage 12. Äußerlich hat sich nicht viel geändert, weil man weder Form noch Umfang der Baukörper verändert hat. Wer genau hinsieht, erkennt einzelne Fenster, die waagrecht eine Winzigkeit aus der Fassade ragen. Fast die Hälfte der knapp 3900 Fenster kann man jetzt öffnen. Das geht recht langsam und unter vernehmlichem Ächzen eines unsichtbaren Elektromotors.

          Das ist dann auch schon eine der auffallendsten sichtbaren Neuerungen. Der Rest ist vornehme Zurückhaltung, die glänzende Glasfassade spiegelt den Himmel. Man nennt sich jetzt „Greentowers“, ist ausgezeichnet mit zwei Umweltsiegeln - auch das Teil einer Image-Kampagne, die mit der Renovierung gekoppelt wurde. Das Öko-Image kann vermarktet werden und ist ein wichtiger Baustein in dem Bemühen der Hochfinanz, dem Glaubwürdigkeitsverlust entgegenzutreten und sich kundennäher zu präsentieren.

          Aber ein Hochhaus ist per se ein Klimakiller: Die „Greentowers“ verbrauchen für rund dreitausend Arbeitsplätze so viel Energie wie 1600 Einfamilienhäuser. Der Jahresverbrauch liegt bei 180 Kilowattstunden pro Quadratmeter, Konkurrenten melden niedrigere Werte. Das ärgert den Architekten und Betriebswirt Holger Hagge, der für den Umbau der Türme zuständig war und nun - was ihm den schönen Titel Managing Director/Global Head of Building & Workplace Development eintrug - alle firmeneigenen Gebäude konzipiert und optimiert. Energiesparen konzentriert sich aus seiner Sicht heute zu sehr auf den Wärmeverlust - dabei verbraucht schon die Herstellung des Dämmmaterials extrem viel Energie.

          Wahrzeichen der Bankenbranche: Den ersten Praxistest hat das sanierte Gebäude an der Taunusanlage 12 schon bestanden

          Das Ziel der Sanierung waren größtmögliche Nachhaltigkeit und Energieeinsparung. Das begann schon beim Abbruch, im Laufe dessen das anfallende Material dem Recycling zugeführt wurde. Bei der Haustechnik - Grauwasser-Nutzung, Wärme-Kälte-Kopplung, Solarpaneele, Verzicht auf fossile Brennstoffe - setzte das Team um Hagge weitgehend auf marktgängige Systeme. Die Spülung der Toiletten wurde von Villeroy & Boch auf sparsame 3,5 Liter pro Spülgang heruntergespart, das Wasser zum Händewaschen kommt, außer in den Vorstandsetagen, kalt aus dem Hahn. Zumtobel entwickelte ihrer Form wegen „Schwertlampen“ genannte Wandleuchten, die dank innovativer Prismentechnik eine Ausbeute von 85 Prozent haben und zusammen mit dem Tageslicht dafür sorgen, dass an jedem Arbeitsplatz gleichmäßig 300 Lumen herrschen. Die Beleuchtungsstärke richtet sich nach der Zahl der anwesenden Mitarbeiter. Wo sich nichts bewegt, geht das Licht gar nicht erst an.

          Eine schmale Drehtür ins Foyer

          Die dreifach verglaste Fassade hat wie schon beim ursprünglichen Turmdoppel die Firma Gartner aus dem bayerischen Gundelfingen gebaut, sogar der Obermonteur war derselbe wie vor dreißig Jahren. Der Mailänder Architekt Mario Bellini hat das Sockelgeschoss entkernt, drei Etagen herausgenommen, dafür eine dreiunddreißig Tonnen schwere kugelförmige Stahlskulptur namens „Sphäre“ unter das Glasdach gehängt, das nun den Blick nach oben auf die beiden Türme freigibt. Der schildkrötenschwere Panzerbau des Sockels ist filigraner und erlebbarer geworden: Das Erdgeschoss ist kontrollfrei für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Hochparterre findet man den „BrandSpace“, eine multimedial aufbereitete Geschichte der Deutschen Bank. Auch wenn Bellini den Auftakt mit einer mehrgeschossigen gläsernen „Vitrine“ vertikal herausgearbeitet hat - eintreten muss man noch immer durch eine schmale Drehtür.

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