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Was sind Werte?

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Symbolisch bedeutsam: der Bethlehemitische Kindermord, hier um 1266/68 dargestellt von Nicola Pisano auf der Marmorkanzel des Doms zu Siena
Symbolisch bedeutsam: der Bethlehemitische Kindermord, hier um 1266/68 dargestellt von Nicola Pisano auf der Marmorkanzel des Doms zu Sienapicture alliance / akg-images / Nimatallah

Wer glaubt, dass alle automatisch dasselbe wollen, nur weil sich eine Gesellschaft scheinbar auf dieselben Werte einigen kann, muss enttäuscht werden: Es ist alles etwas komplizierter – und stets im Wandel.

Einst durften Neugeborene getötet werden. Die Geburt wurde in vielen Stammesgesellschaften und auch noch in Hochkulturen wie der römischen nach ihren Effekten für das biologische Überleben der Gruppe oder den Vorteilen für die Familie bewertet. In Rom gab es eine potestas vitae necisque des Haushaltsvorstandes, der also einschätzen durfte, ob der Aufwand, den die Aufzucht des Nachwuchses bedeutet, in einem angemessenen Verhältnis zu ihrem Nutzen steht. Dabei kamen Kriterien ins Spiel wie die Zahl, das Geschlecht und der Gesundheitszustand der Säuglinge sowie die vermutete Vaterschaft. Neugeborene waren eine Art Dinge, deren Existenz nach ihrem anhand solcher Kriterien bestimmten Gebrauchswert beurteilt wurde. Gründe für die Tötung mussten keiner Instanz gegenüber vertreten werden. Kindstötung durch die Mutter galt in Rom hingegen als Verwandtenmord.

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