Berliner Barocktage : Ach, Tod, wie riechst du so gut!

Die Berliner Barocktage machen in diesem Jahr selbst Verzweiflung und schieren Untergang zum seelenstärkenden ästhetischen Ereignis.
Es wird gerade, noch bis Ende der laufenden Woche, viel gelitten in den Räumen der Berliner Lindenoper – das allerdings in großer Schönheit. Während die Staatskapelle mit dem unermüdlichen Daniel Barenboim durch Europa tourt, bringen die „Barocktage“ Gast-Ensembles und damit die hier sonst kaum gepflegten Klänge aus der Zeit zwischen 1650 und 1750 ins Haus, diesmal konzentriert auf die Musik in Versailles und Paris. Und deren Opernvariante, die „Tragédie en musique“, begibt sich, auf den Spuren der Sprechtragödien Corneilles und Racines, mit heroischem Vergnügen vorzugsweise dorthin, wo es ganz besonders weh tut. So geht zum Beispiel André Campras „Idoménée“ von 1712 konsequent und unerbittlich in Sohnesmord und gruseligen Wahnsinn hinein – anders als etwa in Mozarts siebzig Jahre jüngerer Vertonung des gleichen Stoffes mit ihrem arg zurechtgebogenen Lieto fine.





