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Bachmann-Preis für Birnbacher : Wo ein Schrank, da Platz für eine Trophäe

  • -Aktualisiert am

Birigit Birnbacher bei ihrer Lesung am Freitag Bild: Johannes Puch / ORF

Die Schriftstellerin Birgit Birnbacher erhält den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis. Yannic Han Biao Federer kam nach vier Stichwahlen noch zu einer Auszeichnung, Ronya Othmann zum Publikumspreis.

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          In einem insgesamt eher durchwachsenen Jahrgang mit einigen sehr kryptischen, teils unfertig wirkenden Texten ist der mit 25.000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis zurecht an Birgit Birnbacher verliehen worden. Die 1985 in Schwarzach geborene Österreicherin hatte in ihrer Erzählung „Der Schrank“ über moderne Großstadteinsamkeit schon in der Diskussion am Lesetag fast einhelliges Lob erhalten. Juror Stefan Gmünder, der den Text vorgeschlagen hatte, sprach in seiner Laudatio über Einflüsse Samuel Becketts und den sich auf die Leser übertragenden Wunsch zu singen, den das erzählerische Ich darin äußert.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Juror Michael Wiederstein brachte es auf den Punkt: „Wo ein Schrank, da Platz für eine Trophäe.“

          Der Deutschlandfunk-Preis über 12.500 Euro wurde für Leander Fischers Künstler-Erzählung „Nymphenverzeichnis Muster Nummer Eins Goldkopf“ vergeben, die von einem fliegenfischenden Musiklehrer handelt und als Parabel über das Expertentum zu deuten sein könnte. Die Jury hatte darin zuvor eine Stiftersche Genauigkeit, besonders in Fachsprachen, gelobt sowie die sprachspielerisch-sarkastischen Volten des Ich-Erzählers.

          Der mit  zehntausend Euro dotierte Kelag-Preis ging an Julia Jost für eine kritisch-parodistische Auseinandersetzung mit Heimatliteratur unter dem Titel „Unweit vom Schakaltal“. Laudator Klaus Kastberger lobte daran, man erfahre mit Humor und erzählerischer Distanz etwas über Kärnten und über braune Vergangenheit.

          Nachdem er sich in drei Stichwahlen der Jury bei den vorherigen Preisen zunächst nicht durchsetzen konnte, hat Yannic Han Biao Federer bei der Wahl zum 3Sat-Preis doch noch reüssiert. Seine autofiktionale Trennungsgeschichte „Kenn ich nicht“, die einen jungen Mann zwischen Köln und Kroatien heimatlos herumreisen lässt, war erstaunlicherweise in den Diskussionen ebenfalls oft gelobt worden, obwohl sie wie eine nicht mehr sehr originelle Ableitung popliterarischer Oberflächenbeschreibung wirkt.

          Mit dem Publikumspreis bedacht wurde Ronya Othmann für ihre literarische Reportage „Vierundsiebzig“, die sich im Lichte auch der eigenen Familiengeschichte mit dem Völkermord an den Jesiden im Jahr 2014 beschäftigt. Othmanns Text hatte zuvor eine Jurydiskussin darüber ausgelöst, ob und wie ein derart schockierend von Realität geprägter Text überhaupt kritisiert werden könne.

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