Cemile Sahins Roman „Taxi“ : Als falscher Sohn darf er den Krieg vergessen

Ein junger Mann begibt sich in die Hände einer Frau – nicht als Ersatz, sondern als Reinkarnation des verlorenen Sohnes. Doch es gibt kein richtiges Leben im falschen Film. In Cemile Sahins Debütroman „Taxi“ wird Trauerarbeit zum großen Rollenspiel.
Der Bachmannpreis gilt als wichtigste Auszeichnung für junge deutschsprachige Literatur. Versagt seiner Jury die kritische Stimme, dann bedeutet dies einiges. Zuletzt passierte das 2019, nachdem die Leipziger Schriftstellerin Ronya Othmann in Klagenfurt einen Text über den Genozid an den Jesiden vorgestellt hatte. Einige Jurymitglieder sahen sich angesichts der Erzählung von den Greueltaten des „Islamischen Staates“ ihrer Urteilsfähigkeit beraubt. Wie lässt sich, fragte einer, denn überhaupt angemessen über Unsagbares, über unvorstellbare Grausamkeiten, über einen Krieg sprechen?





