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Offshore-Windanlagen Wo die Riesenräder rosten

Der Bau von Windanlagen vor der deutschen Küste kommt nur schleppend voran. Viele Turbinen und Stahlfundamente müssen erstmal auf Halde gelegt werden. Das ist bitter für die Energiewende - und teuer für die Unternehmen.

© Christian Müßgens Vergrößern Zwischenlager: Stahlfundamente für Windräder in Bremerhaven

Knatternd frisst sich der Schraubendreher in das Stahlgetriebe. Im Bremerhavener Werk des Windradbauers Repower Systems hocken Männer in blauen Latzhosen auf meterhohen Antriebswellen und drehen Bolzen in Rotorlager. Gelbe Kräne - hoch wie die ägyptische Sphinx - rollen über Stahlträger und wuchten hydraulische Bremsbacken in Turbinengehäuse. Es riecht nach trockenem Staub. Norbert Giese muss beiseite treten, damit ein Gabelstapler ihm nicht über seine Stahlkappenschuhe fährt.

Giese leitet im Unternehmen das Geschäft mit Windrädern für die offene See. Gerade schrauben seine Arbeiter Dutzende Anlagen für einen Windpark vor der belgischen Küste zusammen. Wenn er durch die Sicherheitstür ins Freie blickt, verdunkelt sich allerdings seine Miene: Auf Betonflächen hinter der Halle ragen mehr als 20 fertige Turbinen in den Himmel - jede von ihnen so groß wie ein Einfamilienhaus. Eingepackt in weiße Plastiksäcke trotzen sie dem Küstenwind.

Fachleute ziehen die Ausbauziele in Zweifel

Eigentlich sollten sie längst vor Helgoland in der Brandung stehen. Doch die Stromtrasse von den Dünen zum geplanten Windpark ist noch nicht fertig. Der Bau verspätet sich um ein Jahr. Deshalb kriechen Arbeiter aller paar Wochen in die Gehäuse, bewegen die Generatoren und leiten Strom in die Kabel, damit die Elektronik nicht korrodiert. „Hier wird ein halbes Kraftwerk zwischengelagert“, sagt Giese. „Das ist ärgerlich und kostet viel Geld.“

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Mehr als 2000 Windanlagen sollen sich bis zum Ende des Jahrzehnts in der deutschen Nord- und Ostsee drehen. So will es die Bundesregierung. Mit einer Kapazität von 10.000 Megawatt sollen die Windräder schon in acht Jahren fast 6 Prozent des deutschen Stromverbrauchs decken und so den Ausstieg aus der Kernenergie teilweise abfedern. Doch der Ausbau kommt nur schleppend voran. In Bremerhaven zeigt sich, welche Folgen das hat. Neben Repower hat sich dort ein ganzes Netzwerk aus Unternehmen der Windbranche angesiedelt. Die Betriebe am Standort fertigen Turbinen und Rotorblätter, Rohrtürme und Fundamente. Sie bringen Beschäftigung in eine von Arbeitslosigkeit gebeutelte Region. Und sie spüren nun, dass die Komplexität der Energiewende unterschätzt wurde.

Längst ziehen Fachleute die Ausbauziele in Zweifel. Nach einer Prognose des Bremerhavener Marktforschungsinstitutes Windresearch werden Stromkonzerne, Parkbetreiber und Bauunternehmen bis zum Jahr 2020 höchstens drei Viertel der angestrebten Leistung ins Meer stellen. Kommt es zu weiteren Verzögerungen, schaffen sie womöglich weniger als die Hälfte. „Das ursprüngliche Ziel verfehlen wir auf jeden Fall“, sagt der Geschäftsführer des Instituts, Dirk Briese.

Der verspätete Baubeginn kostet rund 100 Millionen Euro

Inzwischen schließen sich auch Vertreter der Stromkonzerne dieser Meinung an. 10.000 Megawatt Leistung seien in dem genannten Zeitraum nicht mehr zu erreichen, sagt der designierte Chef von RWE Innogy, Hans Bünting. Die Konsequenzen sind bitter. Erstens entstehen den beteiligten Unternehmen finanzielle Schäden. Und zweitens beginnen Investoren daran zu zweifeln, ob ihr Geld im deutschen Meer richtig angelegt ist.

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