http://www.faz.net/-gqe-947uu

Autohersteller : Hyundai pokert mit der Brennstoffzelle

Glaubt an die Brennstoffzelle: Kim Sae-hoon Bild: Patrick Welter

Die Tage des Dieselantriebs sind gezählt. Und was kommt danach? Der größte koreanische Automobilkonzern Hyundai Motor hat große Pläne mit dem Wasserstoffantrieb.

          Vor lauter Baustellenlärm ist an der Wasserstofftankstelle die eigene Stimme kaum zu hören. Hyundai Motor baut sein Forschungszentrum für Umwelttechnik aus. Das neue Gebäude werde noch einmal so groß wie die bisherigen Räumlichkeiten, sagt Kim Sae-hoon. Kim ist Direktor der Brennstoffzellengruppe in der Forschungsabteilung. Wie viele neue Mitarbeiter in dem Neubau beschäftigt werden, lässt er offen. Bislang arbeiten in der ökologischen Entwicklungsabteilung in Yongin, einige Kilometer südlich von Seoul, etwas mehr als 200 Techniker an Antrieben der Zukunft wie dem Wasserstoffantrieb.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Im Vergleich zu den etwa 13.000 Ingenieuren, die der größte koreanische Autohersteller in Forschung und Entwicklung beschäftigt, sind 200 Forscher wenig. Doch die Hyundai Motor Group hat große Pläne mit der Wasserstofftechnik. „Wenn Korea das Ziel einhalten will, bis 2030 den Ausstoß von Kohlendioxid um 37 Prozent zu verringern, wird man am Wasserstoff nicht vorbeikommen“, sagt Kim im Gespräch mit der F.A.Z. Allein durch Energieeinsparungen und den Ausbau erneuerbarer Energien werde sich das Ziel kaum erreichen lassen. Den Anteil von echter erneuerbarer Energie in Südkorea aus Windkraft oder Solarenergie beziffert Kim derzeit mit weniger als 1 Prozent.

          Optische Inspiration kommt von Toyota

          Hyundai Motor beschäftigt sich schon lange mit dem Wasserstoffantrieb. Der größte koreanische Autoproduzent nimmt für sich in Anspruch, 2013 das erste Auto mit Brennstoffzellentechnik in Serienproduktion auf den Markt gebracht zu haben. Serienproduktion mag treffend die Art der Fertigung beschreiben, klingt aber ein wenig übertrieben. Die Produktion sei von Beginn an auf 1000 Fahrzeuge angelegt gewesen, sagt Kim.

          An die 1000 Stück des sportlichen Nutzfahrzeugs, das in Europa unter dem Namen ix35 Fuel Cell läuft, hat Hyundai in 18 Ländern auch verkauft oder vermietet, vorwiegend an Regierungen oder staatliche Einrichtungen im Ausland. Zum Vergleich: Toyota Motor, der japanische Marktführer, hat seit Dezember 2014 rund 4300 Stück des Brennstoffzellenautos Mirai verkauft. Der Dritte im Bunde der Wasserstoffkünstler, Honda Motor, hat von seinem Clarity Fuel Cell bislang mehr als 600 verleast.

          Der Hyundai ix35 Fuel Cell

          Im Januar wird Hyundai auf der Consumer Electronics Show in Amerika das Nachfolgemodell seines Brennstoffzellenfahrzeugs vorstellen. Der Name ist noch geheim. Vor dem Forschungszentrum in Yongin steht ein Vorserienmodell zum Anschauen, nicht zum Probefahren. Nach dem konventionell geschnittenen Vorgänger legt Hyundai ein aggressiveres Design mit schmalen Scheinwerfern hin. Das Unternehmen hat sich vom ungewöhnlichen Aussehen des Toyota Mirai anstecken lassen. Wichtiger sind die inneren Werte. In der neuen Generation bilden Brennstoffzelle und Elektroantrieb eine Einheit. Rund 15 Prozent kleiner als im Vorgängermodell ist der Antrieb, im Motorraum ist deutlich mehr Luft als beim Vorgänger. Auch der Kofferraum hat gewonnen, weil Hyundai nun drei mittelgroße Wasserstofftanks einbaut und nicht wie zuvor einen großen und einen kleinen Tank. Die Haltbarkeit der Brennstoffzelle im neuen Modell entspreche der üblichen Fahrleistung eines gewöhnlichen Autos, sagt Kim. Damit sei eines der Probleme des Vorgängers überwunden.

          Das neue Wasserstoffauto hat eine Reichweite von 800 Kilometern nach europäischem Standard, 26 Prozent mehr als der Vorgänger, und schlägt damit den Toyota Mirai deutlich. Die Energieeffizienz wurde von 55 auf 60 Prozent gesteigert, die maximale Motorleistung um 20 Prozent auf 163 PS. Über den Preis schweigt Hyundai sich noch aus. Das Auto sei günstiger als der Vorgänger, der rund das Doppelte eines vergleichbaren Benziners kostete. Auch zum Verkaufsziel für das in Ulsan gebaute Fahrzeug will Hyundai sich noch nicht äußern.

          Weitere Themen

          Kommt die Rezession?

          Wachstum an den Aktienmärkten : Kommt die Rezession?

          Die Nervosität an den Aktienmärkten steigt immer weiter. Nach neun Jahren Aufschwung wäre nach den üblichen Konjunkturmustern ein Abschwung fällig.

          Amazons Warenlager Video-Seite öffnen

          Zu Besuch in Baltimore : Amazons Warenlager

          Amazon ist das wohl größte Handelsunternehmen weltweit. Dank Innovationskraft und Erfindergeist, konnten sie nicht nur neue Produkte für den Kunden herstellen, sondern setzen auch in der Lagerlogistik neue Maßstäbe.

          Topmeldungen

          Der Niedergang als Chance? Jeder Zweite begreift die Verluste von SPD und der Union als Chance für die Demokratie.

          Emnid-Umfrage : Jeder dritte Deutsche könnte auf SPD verzichten

          Jeder zweite Deutsche sieht den Niedergang der Volksparteien als Chance für die Demokratie. Besonders die SPD scheint immer mehr Wählern entbehrlich, wie eine Umfrage zeigt. Profitieren können davon zur Zeit vor allem die Grünen.
          Luigi Di Maio (Mitte) verkündet am 27. September 2018 vom Balkon des Palazzo Chigi den „Haushalt des Volkes“.

          FAZ Plus Artikel: Haushaltspolitik in Italien : Volk ohne Geld

          Italiens neue Regierung ruft die „Abschaffung der Armut“ aus, macht Front gegen den „Terror der Märkte“ und bereitet die Zerstörung der EU vor. Warum geht sie nicht zuerst gegen das Privatvermögen der eigenen Leute vor?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.