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Hans Scharpf im Gespräch : Im Schuldenstreik

  • Aktualisiert am

Hans Scharpf vor der Commerzbank, seinem großen Nachbarn, mit dem er über Kreuz liegt. Bild: Röth, Frank

Hans Scharpf, Wirtschaftsanwalt in Frankfurt, war vor eineinhalb Jahren, als die Occupy-Bewegung nach Frankfurt schwappte, ein Vorzeigeaktivist. Jetzt führt er seinen eigenen Feldzug.

          Von wegen, mittwochs ruhen sich die Anwälte aus. Es ist später Nachmittag; in der Kanzlei am Fuße des Commerzbank-Hochhauses in Frankfurt geht Hans Scharpf mit seiner Assistentin noch die Termine für den nächsten Tag durch, einen Schriftsatz will er schnell noch zu Ende diktieren, das eine, dann das andere Telefonat muss er noch führen. Dann hat er Zeit für das Interview über Occupy und seine Folgen und weshalb er keine Schuldzinsen mehr zahlt. Viel Zeit. „Denn das ist mir wichtig.“

          Herr Scharpf, das Blockupy-Bündnis, das sich zum Teil in der Nachfolge von Occupy sieht, plant für Ende Mai abermals Aktionen in Frankfurt. Werden Sie hingehen und mitmachen?

          Das wird schwierig, ich bin dienstlich in Berlin. Aber meine Frau, die auch sehr engagiert ist, wird auf jeden Fall teilnehmen. Wenn ich es noch schaffe, werde ich an einem Infostand mitarbeiten. Ich bin ja noch Mitglied der Diskursgruppe Wirtschaft, die aus der Occupy-Bewegung entstanden ist.

          Geplant ist angeblich eine Blockade der Europäischen Zentralbank. Was halten Sie davon?

          Schon im vergangenen Jahr hatte ich mich bewusst aus solchen Aktionen rausgehalten. So etwas lenkt nur von den eigentlichen Problemen ab. Dann sind im Fernsehen immer nur Szenen zu sehen, wie Polizisten sich mit Demonstranten prügeln oder andere wilde Sachen. Und der eigentliche Anlass für den Protest gerät aus dem Blick.

          Was ist für Sie der Anlass?

          Die Forderung nach der Umverteilung der Vermögen ist wichtiger denn je, und natürlich gilt das auch für „Banken in die Schranken“. Aber mir ist wichtig, dass diese Anliegen nicht nur an einem Tag X auf die Straße getragen werden und dann wieder in der Versenkung verschwinden. Ich mache das kontinuierlich.

          Wie muss man sich das vorstellen?

          Ich bin in einer Art Selbstversuch in den Schuldenstreik getreten. Ich zahle keine Zinsen mehr. Ich will nämlich von den Banken erst einmal wissen, ob sie mir überhaupt Geld im Sinne des Gesetzes geliehen haben und ob sie tatsächlich, wie sie immer behaupten, Refinanzierungskosten gehabt haben. Nach meinen Informationen ist das nämlich nicht der Fall. Alles, was ich mache, ist legal. Und wenn ich recht bekomme, haben die Banken ein Riesenproblem.

          Aber handeln Sie sich damit nicht gewaltigen Ärger ein?

          Natürlich. Ich werde mit reichlich Verfahren überzogen. Gegen mich wird vollstreckt, ich bekomme fast jeden Tag Post vom Gericht nach Hause geschickt. Aber ich ziehe das durch. Die Familie ist abgesichert, ich selbst brauche nicht viel.

          ***

          Scharpf, er hat sich des Sakkos längst entledigt, holt weit aus. Er entwickelt seine Theorie vom Buchgeld, das nicht real sei und dennoch verliehen werde, das quasi aus dem Nichts geschaffen sei und angesichts der Dimensionen auch nie ausgezahlt werden könne. Er berichtet von der umfangreichen Korrespondenz, die er mit Bankhäusern darüber führe, alles zu finden auf der Website Geldhahn-zu.de. Die Gedanken sprudeln aus ihm heraus. Er hatte, wie er sagt, schon vor Occupy Hunderte Seiten dazu geschrieben. Das System, Geld künstlich zu schöpfen, eigentlich nur „Bits und Bytes“ gegen Zinsen zu verleihen, sieht er als das Grundübel für die meisten Fehlentwicklungen der sogenannten Finanzkrise. Der Anwalt, hinter sich im Regal die dicken Kommentare zum Baurecht, blickt in das wohl ratlose Gesicht seines Gegenübers und lächelt. Das Telefon klingelt. Seine Frau, sie ist auf dem Weg zu einer Ausstellung im Historischen Museum zur Occupy-Bewegung.

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