„Cry Baby“ am Deutschen Theater : Zwanglos drauflos

Souverän als Autor und als Regisseur: Es scheint, als habe René Pollesch mit seinem fröhlich-klugen Diskurstheater beste Chancen, auch am Deutschen Theater zum Publikumsliebling zu werden.
Schlafes Bruder ist der Tod, aber so ernst wird René Pollesch in seinem neuen Stück „Cry Baby“ nicht: Der Schlaf ist hier als konsequente Verweigerung von Aktivitätsdrang und Verpflichtungen aller Art einfach eine sehr angenehme Existenzweise. Wer schläft, sündigt nicht und kann dabei trotzdem unzensiert seinen Wünschen folgen. Zu solchen Phasen beherzt unökonomischer Weltabgewandtheit zählt Pollesch außerdem den Tagtraum oder das Schlafwandeln, weshalb immer wieder auf Heinrich von Kleists Schauspiel „Prinz Friedrich von Homburg“ verwiesen wird. Besagter Prinz wand sich nachts im Garten bekanntlich einst einen Lorbeerkranz, um sich so selbst für ersehnten künftigen Ruhm auszuzeichnen. Mit einem Foto der lorbeerbekränzten Schauspielerin Sophie Rois warb das Deutsche Theater Berlin denn auch für diese Premiere, mit der man in die aktuelle Saison startete.





