Esssucht als Krankheit :
Wenn der Appetit unbezwingbar ist

Von
Christina Hucklenbroich
Lesezeit:
dpa

In der Neufassung des amerikanischen Psychiatrie-Handbuchs DSM-5 ist erstmals von Verhaltenssüchten die Rede. Werden wir bald neu über Adipositas denken und die Diagnose „Food Addiction“ in Betracht ziehen?

Lisa Sellers hat ihr Haus in North Carolina in den vergangenen Jahren nicht mehr verlassen. Ihr neunzehnjähriger Sohn bringt ihr alles, was sie braucht: Pro Tag sind das mehrere Schüsseln Cornflakes, außerdem Hamburger, Pommes, Kekse, Schokolade, Kuchen, Chips, chinesisches Fastfood und Cola. Mit 39 Jahren wiegt Sellers 315 Kilogramm. Täglich verzehrt sie Nahrungsmittel, die mehr als 9000 Kalorien entsprechen. Sellers wurde in den Vereinigten Staaten durch eine Fernsehdokumentation bekannt, auf Youtube ist einer der Filme über sie bisher 800 000 Mal angeklickt worden. Die 39-Jährige schildert ihre Gefühle darin offen und bisweilen voller Trauer. Besonders bewegt wirkt sie, als sie beschreibt, wie eine Freundin in die Drogensucht abrutschte und dafür ihr Leben und ihre Familie aufgab. „Wie könnte ich über sie urteilen“, sagt sie und beginnt zu weinen. „Ich habe ja selbst mein Leben für das Essen aufgegeben.“

FAZ

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