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Psychische Folgen der Pandemie : Depressionen und Ängste nehmen zu

Ohne das übliche lebendige Treiben wirken die Innenstädte trist, wie hier in Frankfurt. Bild: Finn Winkler

Die Pandemie belastet die Psyche der Menschen. Forscher und Ärzte mühen sich, das Ausmaß der seelischen Folgen zu erfassen und Betroffenen zu helfen. Nun droht ein neuer Lockdown – das verschlimmert die Lage.

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          Es wird wohl wieder so ein Winter. Todeszahlen und Corona-Inzidenzen dominieren erneut die Schlagzeilen, Politiker drängen zu Kontaktbeschränkungen – der nächste Lockdown steht ins Haus. Es schwindet das Bisschen im Sommer gewonnene Zuversicht. Angst macht sich breit, sich anzustecken, vor der ungewissen Zukunft – und der Einsamkeit. Jedem ist klar: Das bald zweijährige Auf und Ab strapaziert die Nerven. Doch wie genau wirkt sich die Pandemie auf unsere Psyche aus? Seelische Schmerzen sind schwieriger zu messen als Infektionszahlen. Besonders in der gewöhnlichen Bevölkerung, wenn sich die Menschen nicht in psychiatrischen Kliniken behandeln ließen oder bei ihrer Krankenkasse wegen Depressionen krankgemeldet haben. Um die psychischen Folgen der Pandemie zu ermitteln, wählen Forscher ganz unterschiedliche Wege.

          Johanna Kuroczik
          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Wirtschaftswissenschaftler Valentin Klotzbücher von der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg hatte beruflich eigentlich nicht viel mit Psychologie zu tun. Vergangene Woche ist nun eine Studie, an der er beteiligt war, im Fachjournal „Nature“ erschienen; das Forscherteam hatte dafür die psychische Last der Pandemie anhand von Anrufen bei Sorgentelefonen nachvollzogen. Auf die Idee gekommen seien sie durch Zufall, sagt Klotzbücher. Auffällig viele Menschen hatten im Frühjahr 2020 bei Google die „Nummer gegen Kummer“ gesucht. Daraufhin fragten die Wissenschaftler bei mehr als hundert telefonischen Beratungsstellen in der ganzen Welt an. Insgesamt konnten sie rund 8 Millionen Anrufe in 19 Ländern analysieren. Von Hongkong bis Beirut zeichnet sich dasselbe Bild: Viel mehr Menschen als gewöhnlich griffen in der Verzweiflung zum Telefon, sechs Wochen nach den ersten Ausbrüchen stieg die Zahl der Anrufe zeitweise um 35 Prozent. Im Frühjahr 2020 dominierten Ängste die Gespräche, besonders vor dem Virus. „Einen Anstieg finden wir vor allem bei Anrufen zu Angst und Einsamkeit, später auch zur körperlicher Gesundheit“, sagt Klotzbücher. „Es scheinen eher akute Pandemiesorgen zu sein, die den Großteil der zusätzlichen Anrufe erklären.“ Und die andere Sorgen verdrängten: Beziehungsstreitigkeiten, Gewalt und Suizidgedanken wurden verhältnismäßig nicht häufiger thematisiert. Das bedeutet aber nicht, dass sich dort alle Selbstmordgefährdeten melden würden. Es gebe allerdings eine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass selbstmordbezogene Anrufe durchaus mit der tatsächlichen Suizidrate korrelierten.

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