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Irritierende Corona-Statistik : Verzerrte Zahlen

  • -Aktualisiert am

Erst waren Coronatests knapp, dann ließen sich auch Reiserückkehrer checken. Das beeinflusst die Zahl der Neuinfektionen. Bild: Polaris/laif

Um die Zahl der Corona-Neuinfektion realistisch einzuschätzen, müsste man auch wissen, warum sich die Menschen auf das Virus testen lassen. Doch das wird nicht erhoben.

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          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmt in Deutschland, wie weit man sich von seinem Wohnort entfernen darf, und in Bayern, ob Kinder in die Schule gehen können: Liegt der Wert im Landkreis höher als 200 pro 100.000 Einwohner, ist der Bewegungsradius auf fünfzehn Kilometern beschränkt, und in bayerischen Schulen gibt es gemäß des „Drei-Stufen-Plans“ nur bis 35 Regelbetrieb, jenseits der 50 ist auch Distanzunterricht angesagt. Diese Sieben-Tage-Inzidenz, also wie viele Menschen in einer Woche positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, scheint ein klarer Wert, ohne Interpretationsspielraum, daran kann man sich orientieren. Doch Experten sind sich einig, dass sie kaum geeignet ist, um den Verlauf der Pandemie einzuschätzen. Denn dazu müsste man auch wissen, warum sich die Menschen testen lassen.

          Das klingt kompliziert, im Kern geht es um die Frage: Steigen mit der Zahl der Tests auch die nachgewiesenen Neuinfektionen, ohne dass sich tatsächlich mehr Menschen anstecken? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn antwortete im August mit den Worten „teilweise ja“. Der entscheidende Punkt in dieser Antwort ist das „teilweise“. Zur Interpretation der Zahl der Neuinfizierten ist nicht nur entscheidend, wie viele Menschen getestet wurden, sondern aus welchem Anlass. Denn ändert sich der Anlass für CoronaTests, lässt sich aus den Neuinfektionen nicht mehr unbedingt der wirkliche Verlauf der Pandemie ablesen.

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