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Brutpflege im Pool : Warum Goliathfrösche Nester bauen

  • -Aktualisiert am

Bild: Marvin Schäfer, Frogs&Friends

Der größte Frosch der Welt birgt viele Geheimnisse. Gleichzeitig wird die Art immer seltener. Forscher aus Deutschland und Kamerun liefern eine Erklärung, warum Goliathfrösche so riesig werden.

          2 Min.

          Der Goliathfrosch aus Westafrika gilt als der größte Frosch der Welt. Die Tiere erreichen – die Beine nicht mit eingerechnet – eine Länge von bis zu 34 Zentimetern. Und trotz ihrer auffälligen Größe ist die Lebensweise der Amphibien weitgehend unerforscht. Man weiß, dass Goliathfrösche vorwiegend in Flüssen in Kamerun sowie Äquatorial-Guinea leben und selten außerhalb des Wassers anzutreffen sind. Beobachtungen an wildlebenden Tieren sind aber auch aufgrund ihrer Schreckhaftigkeit und rascher Flucht ins Wasser schwierig.

          Doch nun hat ein Forscherteam aus Kamerun und Deutschland eine überraschende Entdeckung gemacht. Einheimische Froschjäger wiesen die Wissenschaftler darauf hin, dass Goliathfrösche Nester für ihren Nachwuchs bauen. Von afrikanischen Fröschen war ein solches Verhalten bis dato unbekannt. Und tatsächlich stießen die Forscher bei einer Exkursion am Mpoula-Fluss in West-Kamerun auf 14 Wasseransammlungen im, beziehungsweise am, Fluss, in denen sie Laich und Kaulquappen des Goliathfrosches vorfanden. Schätzungsweise enthält ein solches Nest bis zu 2800 Eier, die gut von der Strömung abgeschirmt sind. Material aus dem Fluss wird zur Seite des Nests hin aufgetürmt, sodass eine Art Damm entsteht, der vor dem Fließwasser schützt. Die schlüpfenden Kaulquappen halten sich offenbar bis zur Metamorphose dort auf.

          Selbstgegrabene Teiche

          Drei verschiedene Nest-Arten wurden von den Forschern ausgemacht. Dabei handelt es sich um Wasseransammlungen im Gestein („Rock Pools“), natürliche Auswaschungen am Flussufer oder von den Fröschen selbst gegrabene Kuhlen. Gemein haben alle Typen, dass die Tiere den Boden der Nester aktiv von Geröll und Laub befreien. Möglicherweise liegt diesem Verhalten die Art der Eiablage zugrunde. Laich wird unter Wasser an feste Strukturen wie Steine oder größere Holzstücke geheftet. Laub, kleine Äste oder ähnliches würden von der Strömung weggespült und potentiell angeheftete Eier gleich mit.

          Nach biblischer Überlieferung war es ein Stein, der Goliath zum Verhängnis wurde. Der nach dem riesigen Philister benannten Froschart sichern Steine hingegen die Fortpflanzung. Bis zu zwei Kilogramm schwere Felsbrocken werden von den Amphibien bewegt, um ihre Wassernester vor der Strömung abzuschirmen – Goliathfrösche selbst wiegen bis zu 3,3 Kilogramm. Die Forscher fanden Kuhlen mit bis zu einem Meter Durchmesser und zehn Zentimeter Tiefe, welche von größeren Steinen umgeben waren, die deutlich sichtbar bewegt wurden. „Wir glauben, dass diese mühsame Tätigkeit erklären könnte, weshalb erwachsene Frösche überhaupt Riesen sein müssen“, berichtet Marvin Schäfer vom Museum für Naturkunde Berlin und Erstautor der Studie.

          Der Goliathfrosch gilt als der größte Frosch der Welt. Bilderstrecke
          Größter Frosch der Welt : Warum Goliathfrösche Nester bauen

          Fürsorgliche Eltern

          Sind die Eier abgelegt, werden sie von ihren Eltern offenbar nicht alleine gelassen. Mit einer Infrarot-Kamera gelang es den Forschern aufzuzeichnen, wie ein ausgewachsener Goliathfrosch die ganze Nacht in einem Nest verbringt und dort wahrscheinlich auf den Nachwuchs aufpasst (Video). Sein Geschlecht lässt sich nicht bestimmen, laut Einheimischen wird das Nest jedoch vom Weibchen bewacht, nachdem die Kinderstube vom Männchen angelegt wurde. Völlig sicher sind die kleinen Goliathfrösche trotz elterlicher Fürsorge jedoch nicht. Während ihrer Beobachtungen stellten die Forscher fest, dass die Wassernester austrocknen oder Gelege auch von heftigen Regenfällen davongeschwemmt werden können. Die verschiedenen Nest-Typen könnten also eine Anpassung an wechselnde Umweltbedingungen darstellen, um nicht nur der ausgeprägten Strömung auszuweichen, sondern auch gegen Austrocknung gewappnet zu sein.

          Zwar ist der Goliathfrosch in der Lage, seine direkte Umwelt selbst zu verändern und so seinen Nachwuchs zu schützen. Doch bleibt es offen, wie lange die von der IUCN als gefährdet (endangered) eingestufte Art noch menschlichen Einflüssen in ihrem Lebensraum standhalten kann. Gleichzeitig wird es nicht einfacher, die Tiere in ihrem schwindenden Lebensraum in zu untersuchen. Die Zerstörung des Regenwaldes zugunsten von Plantagen, der Einsatz von Pestiziden und nicht zuletzt die Jagd auf die Frösche selbst machen den amphibischen Riesen zu schaffen.

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