Koselleck als Weltdeuter :
Der blaue und rote Planet

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Als Walter Benjamin an den Pfingsttagen 1912 nach Padua kam, besichtigte er, wie er im Reisetagebuch festhielt, nach der Scrovegni-Kapelle zuerst die Universität. „Von dort verirrten wir uns ein wenig, fanden uns bald wieder und standen in greller Sonne auf einem weitläufigen, leeren Platz vor dem Gattamelata. Wir hatten diesmal kein Fernglas mit. Neben allem erschwerte der blendende Himmel sehr die Betrachtung, wir krochen an winzigen Schattenflecken herum, einmal setzte ich mich auf eine niedrige Mauer. Von einer verständigen Würdigung war keine Rede. Der Gattamelata erschien mir als feiner pfäffischer Diplomat und ich bemerkte nichts von der Wucht des Colleoni.“ – Die Fotografie des Platzes aus Reinhart Kosellecks Bildmaterialsammlung zu Reiterdenkmälern, die Donatellos Standbild des 1443 in Padua verstorbenen Söldnerführers Erasmo Stefano da Narni, genannt il Gattamelata, von Norden zeigt, stammt aus dem Jahr 1934.
Als Walter Benjamin an den Pfingsttagen 1912 nach Padua kam, besichtigte er, wie er im Reisetagebuch festhielt, nach der Scrovegni-Kapelle zuerst die Universität. „Von dort verirrten wir uns ein wenig, fanden uns bald wieder und standen in greller Sonne auf einem weitläufigen, leeren Platz vor dem Gattamelata. Wir hatten diesmal kein Fernglas mit. Neben allem erschwerte der blendende Himmel sehr die Betrachtung, wir krochen an winzigen Schattenflecken herum, einmal setzte ich mich auf eine niedrige Mauer. Von einer verständigen Würdigung war keine Rede. Der Gattamelata erschien mir als feiner pfäffischer Diplomat und ich bemerkte nichts von der Wucht des Colleoni.“ – Die Fotografie des Platzes aus Reinhart Kosellecks Bildmaterialsammlung zu Reiterdenkmälern, die Donatellos Standbild des 1443 in Padua verstorbenen Söldnerführers Erasmo Stefano da Narni, genannt il Gattamelata, von Norden zeigt, stammt aus dem Jahr 1934.Bildarchiv Foto Marburg

Das Anthropozän brachte er nicht auf den Begriff, auch wenn ihn die Machbarkeit der Geschichte beunruhigte: Eine Marbacher Tagung möchte sich unsere Zeit mit Reinhart Koselleck erklären.

Seine Gedanken zur Globalisierung hat Reinhart Koselleck früh vorgelegt. In einem 1954 verfassten Aufsatz deutet er sie als Produkt einer planetar entfesselten Aufklärung. Die Globalisierung setzt die aufklärerische Geschichtsphilosophie fort: Sie will die Revolution im Weltmaßstab zu Ende und die Welt zur Einheit führen, was in der multipolaren Welt auf Widerstände trifft, die zum Zeitpunkt der Niederschrift noch nicht absehbar sind. Die Krise wird nun dadurch verschärft, dass die vielen global verbundenen Zeitschichten in hoher Frequenz aufeinanderprallen. Die twitternden Taliban sind Ikonen der zersplitterten Zeit. Koselleck plädierte für föderale Strukturen, damit die Spannungen nicht ideologisch geglättet werden.

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