FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Israel-Studien :
Weg mit den Schablonen!

Von
Johannes Becke
Lesezeit:
Der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem
Der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalemdpa

In der Nahost-Debatte fehlt es an grundlegendem Wissen. Wir brauchen einen Ausbau der Israel-Studien. Ein Gastbeitrag.

Apartheid, Siedler-Kolonialismus, Terrorismus als „Widerstand“: Mit den üblichen zehn Jahren Verspätung schwappen die wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Debatten des US-amerikanischen Wissenschaftsbetriebs zu Israel und Palästina endlich auch nach Deutschland über – leider ist unsere Universitätslandschaft darauf außerordentlich schlecht vorbereitet. Während afrikanische Denker wie Olú́fémi Táíwò bereits scharfe Abrechnungen mit den dekolonialen Verkürzungen und Verzerrungen verfassen („Against Decolonization. Taking African Agency Seriously“, 2022), werden hierzulande allerlei postkoloniale Dogmen aus den Achtziger- und Neunzigerjahren immer noch als neu und innovativ bestaunt – so auch bei den Kolonialismus-Vorwürfen gegen das zionistische Projekt, die im Kern auf PLO-Propagandaschriften der Sechzigerjahre zurückgehen. Das wirkt meist bemüht, theoretisch hilflos und reichlich provinziell – kurz gesagt: sehr deutsch.

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