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Bislang größter Spac-Deal : Vivendi findet weiteren Käufer für Universal Music

Einer von vielen Stars: Auch Eminem arbeitet mit einem Universal-Label zusammen. Bild: dpa

Ein Börsenmantel unter Leitung des amerikanischen Milliardärs Bill Ackman will 10 Prozent am größten Musikunternehmen der Welt erwerben. Bewertet wird Universal mittlerweile mit 35 Milliarden Euro.

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          Der französische Medien- und Unterhaltungskonzern Vivendi hat schon vor geraumer Zeit angekündigt, sich von seiner wichtigsten Tochtergesellschaft trennen zu wollen, der Universal Music Group (UMG), dem weltgrößten Musikkonzern. 20 Prozent von UMG gingen bereits an ein internationales Konsortium unter Führung des chinesischen Unternehmens Tencent.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          60 Prozent sollen die Vivendi-Aktionäre über eine Abspaltung an der Börse erhalten. Am Freitag hat Vivendi nun bekanntgegeben, wer ein weiterer Ankeraktionär werden soll: Es handelt sich um die Pershing Square Tontine Holdings, einen Spac genannten Börsenmantel unter Leitung des amerikanischen Milliardärs Bill Ackman.

          Vivendi sieht Zukunft nicht in Musik

          Wenn die Transaktion zustande kommt, womit die meisten Beobachter rechnen, handelt es sich um die größte Übernahme, die jemals ein Spac getätigt hat. Ackman verhandelt mit Vivendi über den Kauf von 10 Prozent am Musikkonzern UMG, der mit 35 Milliarden Euro bewertet wird. Seit Ende des vergangenen Jahres hat UMG damit um fast 17 Prozent an Wert gewonnen. Das Tencent-Konsortium hatte nach der Bekanntgabe im Dezember 2020 seine Anteile noch auf einer Bewertungsbasis von 30 Milliarden Euro gekauft.

          Wie Vivendi mitteilte, könnte Pershing Square zusätzlich auch Vivendi-Aktien kaufen oder weitere UMG-Aktien, sobald der Musikkonzern wie geplant im dritten Quartal 2021 an der Börse von Amsterdam notiert ist. Eine vollständige Fusion von UMG und Pershing ist aber nicht vorgesehen.

          Vivendi sieht seine Zukunft im Erstellen medialer Inhalte, nicht aber in der Musik, sondern im Verlagswesen (mit dem Verlagshaus Editis), Fernsehen (Canal Plus), Computerspielen (Gameloft) sowie seiner Werbeagentur Havas. Ende Mai schloss Vivendi den Kauf der Magazin-Gruppe Prisma Media von Gruner + Jahr ab, zu der Zeitschriften wie die französischen Ausgaben von Capital, Geo und Gala gehören. Die Rede war von einem Kaufpreis zwischen 100 und 150 Millionen Euro.

          UMG mit 7,4 Milliarden Euro Umsatz

          Zu der vor allem von dem deutschen Manager Axel Ganz aufgebauten Prisma Media-Gruppe gehören heute rund 1200 Beschäftigte und etwa zwanzig Magazin-Titel. „Ich glaube nicht an die unaufhaltsame Erosion der Magazin-Presse. Die Untergangsstimmung ist vorbei. Wir wollen investieren“, sagte Vivendi-Chef Arnaud de Puyfontaine kürzlich den Prisma Media-Beschäftigten.

          Einige Journalisten sind allerdings auch beunruhigt, weil der Vivendi-Großaktionär Vincent Bolloré, dessen Sohn Yannick dem Aufsichtsrat vorsitzt, beim Fernsehsender Canal Plus durch Eingriffe in die journalistischen Inhalte aufgefallen ist.

          UMG erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,4 Milliarden Euro (knapp 4 Prozent über Vorjahr) und damit fast die Hälfte der Vivendi-Konzernerlöse. Beim Gewinn vor Steuern und Zinsen steht UMG sogar für mehr als 80 Prozent des konzernweiten Werts. Doch die Anleger bewerten Vivendi seit langem mit einem Kursabschlag, weil sie die Struktur als ein Konglomerat von losen Teilen sehen.

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