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Spectacles : Snapchats Videobrille kommt nach Deutschland

  • -Aktualisiert am

Ist Spectacles wirklich ein Spektakel? Bild: dpa

Eine Sonnenbrille mit integrierter Videokamera? Das verkauft Snap als Ergänzung zu seiner populären Snapchat-App jetzt auch in Berlin. Doch das Geschäft ist überschaubar.

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          Den Verkauf seiner Videobrille geht das amerikanische Unternehmen Snap in Europa doch anders an als in der Heimat. Der Betreiber der Snapchat-App limitiert den Erwerb seines einzigen physischen Produktes hierzulande nicht. An diesem Freitagmorgen standen die Verkaufsautomaten erstmals in gleich fünf europäischen Städten und gaben damit den Startschuss für die Offerte in Deutschland. Dennoch wird kaum ein großer Geschäftserfolg des börsennotierten Unternehmens mit der Brille namens „Spectacles“ erwartet. Dazu waren die bisherigen Umsätze damit zu gering.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den Vereinigten Staaten hatte der Betreiber der Snapchat-App das Angebot noch künstlich verknappt. Zuerst waren die schwarzen, türkisen oder orangefarbenen Brillen im vergangenen Herbst nur an einem kleinen Automat zu erwerben. Dieser stand dann für kurze Zeit am Strand von Los Angeles, auf dem Berg eines Nationalparks und an anderen ausgewählten Orten.

          Ein Snap-Automat steht seit diesem Freitag auch in Berlin.
          Ein Snap-Automat steht seit diesem Freitag auch in Berlin. : Bild: dpa

          Wenn das Gerät keine Brille mehr hatte, war Schluss. Da konnte die Schlange noch so lang sein, die sich trotz kurzfristiger Bekanntgabe der Verkaufsorte in der Natur oftmals gebildet hatte. Erst später verkaufte das Unternehmen die Sonnenbrille mit integrierter Videokamera auch im Internet und an einem festen Stand in New York. Vor diesem Geschäft blieben die Warteschlangen irgendwann aber überschaubar.

          Nach seinem Börsengang im März schauen die Entscheider von Snap wieder vermehrt auf das Geschäft abseits des Heimatmarktes und bringen die Videobrille nach Europa. Jetzt lässt sich eine Brille parallel an einem Automaten in Berlin, London, Paris, Barcelona und Venedig beziehen.

          Ob es dort zu langen Warteschlangen kommt? Zum Erwerb der Brille muss keiner den Weg zum Automaten auf sich nehmen, sondern kann alternativ im Internet bestellen; auch das geht ab diesem Freitag in Europa. Vorher war dies europäischen Kunden nur über Umwege möglich, da das Unternehmen nur nach Amerika verkaufte. Allerdings gab es Angebote in Onlineportalen - mit einem entsprechenden ordentlichen Preisaufschlag.

          166 Millionen Nutzer am Tag

          Für Snap hat das Geschäft mit den „Spectacles“ nur einen geringen Umfang. In den ersten drei Monaten des Jahres kam der Umsatz mit dem Gerät auf 8 Millionen Dollar. Insgesamt setzte Snap in dieser Zeit etwa 150 Millionen Dollar um und vervierfachte diesen Wert damit. Allerdings macht das Unternehmen weiter hohe Verluste: Im ersten Quartal betrug der Nettoverlust 2,2 Milliarden Dollar, wobei ein Großteil Mitarbeiteraktien im Zuge des Börsengangs betraf und damit einmalig sein dürfte.

          Die Videoaufnahmen von „Spectacles“ übertragen sich automatisch in einen privaten Bereich der Snapchat-App. Daher benötigt der Sonnenbrillenträger auch die App auf dem Smartphone, um die selbstgemachten Videos mit einer Länge von weniger als 1 Minute zu sehen und zu verbreiten.

          Mit der App wiederum teilen vor allem jüngere Menschen Fotos und kurze Videos miteinander, die meist nach einiger Zeit nicht mehr abrufbar sind. Die Aufnahmen lassen sich zudem mit Gesichtsmasken, Filtern, Text und anderen Symbolen verzieren. Im ersten Quartal kam Snapchat auf 166 Millionen Nutzer am Tag, wozu 55 Millionen Menschen in Europa gehören. Das Hauptgeschäft von Snap bleibt die App mit den Einnahmen aus dortigen Werbevideos.

          Allerdings hatte die Nachfrage gerade der Jüngeren dafür gesorgt, dass der amerikanische Internetkonzern Facebook die Prinzipien und Innovationen der Snapchat-App kopiert hat. Vor allem der Fotodienst Instagram, der Facebook gehört, bildete die Abläufe nach, führte jüngst Gesichtsfilter ein und erreichte nach eigenen Angaben aus dem April mit Instagram Stories mehr als 200 Millionen Nutzer am Tag. In kürzerer Zeit hat Instagram damit den Konkurrenten überholt – jedenfalls wenn man den Zahlen der Unternehmen glaubt. Über die Intensität und Länge, mit der die Jugend die App nutzt, sagt dies jedoch nicht viel aus. Snapchat führt für sich ins Feld, dass der Nutzer im Durchschnitt länger als eine halbe Stunde die App nutzt und 60 Prozent der täglichen Nutzer auch eigene Aufnahmen teilt.

          Der Aktienkurs von Snap war nach dem Börsengang mit einem Ausgabepreis von 17 Dollar im März deutlich auf mehr als 25 Dollar gestiegen und hatte danach an Wert verloren. Besonders nach der Bekanntgabe des Milliardenverlusts im ersten Quartal war der Kurs auf zeitweise weniger als 18 Dollar gesunken. Derzeit hat sich der Aktienkurs von Snap auf mehr als 21 Dollar wieder etwas gebessert.

          Seit kurzer Zeit intensiviert Snap auch sein Deutschlandgeschäft. Ende April startete „Snapchat Discover“ hierzulande: In dieser Rubrik erstellen vier deutschsprachige Medien täglich neue Artikel für die Nutzer der Smartphone-Anwendung und teilen sich dafür die Werbeeinnahmen mit Snap. Nun folgt mit dem Verkauf der Videobrille der nächste Schritt in den hiesigen Markt.

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